Was kostet die Reinigung eines Objekts wirklich? Die Antwort entscheidet über Gewinn oder Verlust – und sie ist rechenbar. Dieser Leitfaden zeigt die Kalkulationslogik der Gebäudereinigung Schritt für Schritt: vom m²-Aufmaß über die Flächenleistung (Leistungsrichtwerte) zum Zeitbedarf, vom Branchenmindestlohn 2026 über die Lohnnebenkosten zum Vollkosten-Stundensatz und schließlich zum Angebotspreis mit Aufschlag oder Marge. Ohne Fantasiezahlen – die konkreten Aufschläge hängen von Ihrem Betrieb ab, die Systematik ist überall gleich.
Reinigungskosten kalkulieren heißt, drei Größen zusammenzubringen:
Zeitbedarf = Fläche ÷ Flächenleistung (m²/Stunde). Die Flächenleistung ist der Richtwert, wie viele Quadratmeter eine Kraft in einer Stunde schafft.
Kosten = Zeitbedarf × Vollkosten-Stundensatz. Der Stundensatz ist mehr als der Lohn: Er enthält Lohnnebenkosten, bezahlte Ausfallzeiten, Verteilzeiten und Gemeinkosten.
Angebotspreis = Kosten + Aufschlag oder Marge (Wagnis und Gewinn).
Die Basis jeder Kalkulation ist der Lohn – in der Gebäudereinigung der allgemeinverbindliche Branchenmindestlohn (2026: 15,00 €/Std. in Lohngruppe 1). Alles andere baut darauf auf.
Wichtig und ehrlich: Es gibt keinen allgemeingültigen „richtigen" Stundensatz oder €/m²-Preis. Lohnnebenkosten, Verteilzeiten, Gemeinkosten und Ihr gewünschter Gewinn sind betriebsindividuell. Dieser Leitfaden liefert die Systematik und Branchen-Richtwerte – die konkreten Zahlen setzen Sie mit Ihren eigenen Werten ein.
Not legal advice – provided without warranty. Amounts, deadlines and thresholds may change; consult a professional if in doubt.
Frequently asked questions
Wie kalkuliere ich die Kosten einer Gebäudereinigung?
In drei Schritten: Zeitbedarf berechnen (Fläche ÷ Flächenleistung in m²/Std.), Kosten berechnen (Zeitbedarf × Vollkosten-Stundensatz) und den Angebotspreis bilden (Kosten plus Aufschlag oder Marge). Basis ist der Branchenmindestlohn; darauf kommen Lohnnebenkosten, Ausfall- und Verteilzeiten sowie Gemeinkosten.
Was ist die Flächenleistung und welche Richtwerte gelten?
Die Flächenleistung gibt an, wie viele Quadratmeter pro Stunde gereinigt werden. Als Orientierung dienen Branchen-Richtwerte, etwa 140–160 m²/Std. für Büroflächen und rund 65 m²/Std. für Sanitärräume. Es sind Spannen, keine festen Werte – Möblierung, Verschmutzung und Wegezeiten verändern sie. Kalibrieren Sie die Zahlen mit Ihren eigenen Ist-Werten.
Welcher Stundensatz ist in der Gebäudereinigung richtig?
Es gibt keinen allgemeingültigen Wert. Der Vollkosten-Stundensatz setzt sich aus dem Lohn (Branchenmindestlohn bzw. Tariflohn), den Lohnnebenkosten, bezahlten Ausfallzeiten, Verteilzeiten, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn zusammen – alles betriebsindividuell. Seriös ist nur die eigene Aufschlagsrechnung auf Basis Ihrer echten Kosten, kein Pauschalsatz aus dem Netz.
Was ist der Monatsfaktor in der Reinigungskalkulation?
Der Monatsfaktor rechnet den Zeitbedarf je Durchgang auf den Monat hoch: (52 Wochen × Reinigungen pro Woche) ÷ 12. Bei einmal wöchentlicher Reinigung ergibt das den pauschalen Faktor 4,333, bei fünfmal wöchentlich rund 21,67. Multipliziert mit den Stunden je Durchgang und dem Stundensatz erhalten Sie den Monatspreis.
Was ist der Unterschied zwischen Aufschlag und Marge?
Der Aufschlag bezieht sich auf die Kosten (Preis = Kosten × (1 + Aufschlag)), die Marge auf den Verkaufspreis (Preis = Kosten ÷ (1 − Marge)). 20 % Aufschlag und 20 % Marge ergeben unterschiedliche Preise. Wer beides gleichsetzt, kalkuliert zu niedrig – der häufigste Margen-Fehler in der Kalkulation.
Wie berücksichtige ich die Mindestlohn-Erhöhung 2026 in der Kalkulation?
Der Branchenmindestlohn in Lohngruppe 1 steigt zum 1. Januar 2026 auf 15,00 €/Std. Das erhöht den Grundlohn und damit die Personalkosten. Prüfen Sie zu jeder Lohnerhöhung die laufenden Objekte nach und passen Sie – wo die Verträge es zulassen – die Preise an, sonst sinkt Ihre Marge. Details im Mindestlohn-Leitfaden.
Warum ist die Nachkalkulation so wichtig?
Weil eine Angebotskalkulation nur eine Annahme ist. Erst der SOLL/IST-Vergleich zeigt, ob die angesetzte Flächenleistung und die geplanten Stunden stimmen. Liegen die tatsächlichen Stunden dauerhaft höher, verliert das Objekt Geld – oft schleichend. Die Nachkalkulation macht den Verlustbringer sichtbar, bevor die Marge weg ist.
Am Anfang steht das Aufmaß: Welche Flächen werden wie oft gereinigt? Erfassen Sie die reinigbare Fläche getrennt nach Raumart – denn ein Sanitärraum dauert pro Quadratmeter deutlich länger als ein offenes Großraumbüro.
Wer sauber aufmisst, hat die halbe Kalkulation erledigt. Für die Flächenermittlung hilft der Flächen-/Aufmaß-Rechner.
Schritt 2: Die Flächenleistung bestimmen (m²/Stunde)
Die Flächenleistung (auch Leistungswert oder Leistungszahl) sagt, wie viele Quadratmeter pro Stunde eine Reinigungskraft in einem bestimmten Bereich schafft. Sie ist der Hebel der ganzen Kalkulation: Schon kleine Abweichungen verändern den Preis stark.
Als Orientierung dienen Branchen-Richtwerte (u. a. vom Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks / RAL). Sie sind Spannen, keine Gesetze – die realen Werte hängen von Möblierung, Verschmutzung, Wegezeiten und Ausstattung ab:
Bereich
Richtwert-Spanne (m²/Std.)
Hinweis
Büroflächen
ca. 140–160
abhängig von Möblierung und Aufteilung
Hochfrequentierte Bereiche (z. B. Lobby)
ca. 100–130
mehr Publikumsverkehr → geringere Leistung
Sanitärräume
ca. 65
zeitintensiv, sinkt weiter bei hoher Nutzung
Bereich
Büroflächen
Richtwert-Spanne (m²/Std.)
ca. 140–160
Hinweis
abhängig von Möblierung und Aufteilung
Bereich
Hochfrequentierte Bereiche (z. B. Lobby)
Richtwert-Spanne (m²/Std.)
ca. 100–130
Hinweis
mehr Publikumsverkehr → geringere Leistung
Bereich
Sanitärräume
Richtwert-Spanne (m²/Std.)
ca. 65
Hinweis
zeitintensiv, sinkt weiter bei hoher Nutzung
So rechnen Sie den Zeitbedarf:
Fläche ÷ Flächenleistung = Zeitbedarf je Reinigung. Beispiel-Logik: 800 m² Büro ÷ 150 m²/Std. = rund 5,3 Std. je Durchgang.
Diese Werte sollten Sie mit der eigenen Erfahrung kalibrieren: Nach ein paar Wochen SOLL/IST-Vergleich wissen Sie, welche Leistungszahl in Ihren Objekten realistisch ist. Zum schnellen Umrechnen: der Reinigungszeit-Rechner und der Personalbedarfsrechner Reinigung.
Schritt 3: Vom Zeitbedarf zum Monatswert (Monatsfaktor)
Ein Objekt wird selten nur einmal gereinigt. Um vom Zeitbedarf je Durchgang auf den Monatsaufwand zu kommen, nutzt die Branche den Monatsfaktor:
Bei einmal wöchentlich ergibt das den pauschalen Faktor 4,333. Bei fünfmal wöchentlich entsprechend 21,67. So wird aus „5,3 Stunden pro Durchgang, 5×/Woche" ein planbarer Monatsstundenwert, den Sie mit dem Stundensatz multiplizieren.
Schritt 4: Der Vollkosten-Stundensatz – mehr als der Lohn
Jetzt kommt der Teil, bei dem viele Betriebe zu knapp rechnen. Der ausgezahlte Stundenlohn ist nur die Spitze. Der Vollkosten-Stundensatz (Stundenverrechnungssatz) enthält obendrauf:
Baustein
Was dahintersteckt
Grundlohn
Branchenmindestlohn bzw. tariflicher Lohn der Lohngruppe (2026 LG 1: 15,00 €)
Bewusst ohne fertige Zahl: Wie hoch der Zuschlag vom Grundlohn zum Vollkostensatz ausfällt, ist von Betrieb zu Betrieb verschieden – abhängig von Ihrer Kostenstruktur, Ihrem Fuhrpark, Ihrer Verwaltung und Ihrer Auslastung. Seriös ist nur die eigene Aufschlagsrechnung auf Basis Ihrer echten Kosten, nicht ein aus dem Internet abgeschriebener Pauschalsatz.
Schritt 5: Vom Selbstkostenpreis zum Angebotspreis
Aus Zeitbedarf × Vollkosten-Stundensatz ergibt sich der Selbstkostenpreis. Der Angebotspreis entsteht daraus über einen von zwei Wegen – die man nicht verwechseln darf:
Marge (Gewinnspanne): Preis = Kosten ÷ (1 − Margensatz). Eine „20 % Marge" ist nicht dasselbe wie „20 % Aufschlag" – die Marge bezieht sich auf den Verkaufspreis, der Aufschlag auf die Kosten.
Dieser Unterschied ist ein häufiger Kalkulationsfehler. Wer beides gleichsetzt, verschenkt Marge. Nachrechnen lässt sich das mit dem Marge-Rechner.
Ob Sie mit Aufschlag oder Marge arbeiten, kann zudem je Kunde unterschiedlich sinnvoll sein – ein Großkunde mit Volumen anders als ein kleines Einzelobjekt.
Schritt 6: Nachkalkulieren – sonst wird der Preis zur Wette
Die beste Kalkulation ist wertlos, wenn niemand prüft, ob sie aufgeht. Deshalb gehört zu jedem Objekt die Nachkalkulation (SOLL/IST): Waren die geplanten Stunden realistisch? Stimmt die angesetzte Flächenleistung? Frisst ein Objekt schleichend Ihre Marge?
Zwei Anlässe zwingen immer zur Nachkalkulation:
Lohnerhöhung. Steigt der Branchenmindestlohn (2026 auf 15,00 €), steigen die Personalkosten. Objektpreise prüfen und – wo Verträge es zulassen – anpassen.
Abweichung im Ist. Wenn die tatsächlich gebrauchten Stunden dauerhaft über dem Kalkül liegen, ist entweder die Leistungszahl falsch oder das Objekt braucht Nachverhandlung.
Wie man den schleichenden Verlustbringer erkennt, vertieft der (in Vorbereitung befindliche) Blick auf die Objekt-Rentabilität über das Controlling.
Wie CERTISCAN die Kalkulation abbildet
CERTISCAN ist eine modulare Plattform für Gebäudereinigung, Handwerk und KMU. Das Modul Kalkulation & Angebote bildet genau diesen Weg vom Aufmaß zum Angebot zum Vertrag ab:
Fläche × Leistungsgrad × Verrechnungssatz + Zuschläge → Selbstkostenpreis, daraus der Angebotspreis.
Flexibler Preis-Modus: Umschaltbar zwischen Aufschlag (Kosten × (1 + Rate)) und Marge (Kosten ÷ (1 − Rate)), zusätzlich Rabatt auf den Listenpreis.
Sätze je Ebene pflegbar: Position/Kalkulation → Kunden-Default → Betriebs-Default. So kann jeder Kunde seine eigene Verrechnungs-/Margenlogik haben; die aufgelösten Sätze werden pro Angebot als Snapshot eingefroren.
Kreis zum Ist: Über die Verbindung zu Zeiterfassung und Controlling wird aus der Angebots-Kalkulation eine SOLL/IST-Nachkalkulation – Sie sehen, ob das Objekt trägt.
Ehrlich eingeordnet: CERTISCAN rechnet mit Ihren Werten – Leistungszahlen, Stundensätze, Aufschläge, die Sie pflegen. Es gibt keine „richtige" Zahl aus der Konserve; das Modul macht die Systematik nur schnell, konsistent und je Kunde nachvollziehbar. Die Angebots-Kalkulation ist eine kaufmännische Auswertung, kein Steuerbeleg.
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Schritt 4: Der Vollkosten-Stundensatz – mehr als der Lohn