Fast jede Seite zum Thema erklärt den Produktpass — und zeigt keinen. Diese hier verlinkt einen tatsächlich veröffentlichten Pass, den Sie ohne Konto und ohne App aufrufen können. Darunter steht, wie er aufgebaut ist und welche Angaben heute überhaupt verbindlich sind.
Ein Produktpass ist kein Dokument, sondern eine Adresse, unter der die Daten zum Produkt stehen.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Erklärungen zu kurz greifen. Ein Digitaler Produktpass ist keine PDF-Datei, die man einmal erzeugt und mitliefert. Er ist ein abrufbarer Datensatz, der an einer eindeutigen Produktkennung hängt, über einen Datenträger am Produkt erreichbar wird und sich ändern kann, ohne dass die Verpackung neu gedruckt wird. Wer das einmal an einem fertigen Pass gesehen hat, diskutiert anschließend andere Fragen — nämlich die richtigen.
Was Sie gleich sehen, ist ein Demo-Pass. Der Datensatz ist tatsächlich veröffentlicht und wird über dieselbe öffentliche Seite ausgeliefert wie der Pass eines Kunden — das Produkt darin und der Hersteller sind aber frei erfunden. Struktur und Ablauf sind damit belastbar, die Werte sind Beispielwerte. Ein nachgestellter Screenshot kommt auf dieser Seite bewusst nicht vor.
Kein Mock-up und kein Screenshot: Der folgende Link führt auf einen tatsächlich veröffentlichten Digitalen Produktpass mit echten Werten. Er gehört zu einer Demo-Organisation mit einem erfundenen Reinigungsmittel — die Firma ist ein Muster, die Datenstruktur ist es nicht.
Sinnbild eines Datenträgers, kein scanbarer Code. Der Weg in den Pass ist hier der Link darunter.
Öffnet in einem neuen Tab. Der Pass wird in der CERTISCAN-Anwendung vorgehalten; es sind keine Zugangsdaten nötig.
Damit der Klick nicht ins Kalte führt: Der Beispiel-Pass gehört zu einem Reinigungsmittel, also zu der Produktgruppe, für die es bereits einen echten Pflichtfeld-Katalog gibt. Er ist in fünf Blöcke gegliedert.
Die öffentliche Pass-Seite fragt kein Abonnement ab. Ein einmal veröffentlichter Pass bleibt über seine Kennung lesbar, auch wenn das Modul dahinter abgeschaltet wird. Das ist kein Zufall, sondern die Antwort auf eine Anforderung, an der jede Passlösung gemessen wird: Der Pass soll verfügbar bleiben, auch wenn es den Betrieb dahinter nicht mehr gibt .
Fast jede Darstellung im Netz zeigt die fünf Blöcke, als wären sie ein feststehender Feldkatalog. Sind sie nicht. Diese Übersicht trennt deshalb bei jeder Gruppe, was in einem erlassenen Rechtsakt steht und was die ESPR bislang nur ermöglicht.
Welches Produkt ist das — und auf welcher Ebene?
Die eindeutige Produktkennung, an der alles hängt, dazu Modell- beziehungsweise Typbezeichnung, Handelsnummer und der Hersteller. Ohne diesen Block gibt es keinen Pass, sondern nur ein Datenblatt.
Die Kennung ist in jedem bisher erlassenen Rechtsakt gesetzt. Ihre Ebene — Modell, Charge oder Einzelstück — legt aber nicht die ESPR fest, sondern der jeweilige Rechtsakt.
Woraus besteht es?
Zusammensetzung, verwendete Stoffe und — wo gefordert — der Anteil an Rezyklat. Bei Chemieprodukten ist das der umfangreichste Block überhaupt, weil er auf die Stoffebene hinuntergeht.
Konkret ausformuliert bei Reinigungsmitteln (Stoffliste im Detergenzien-Datensatz) und bei Batterien. Eine ESPR-weite Vorgabe für alle Produkte existiert nicht; die einzige harte Mindestvorgabe der ESPR betrifft besorgniserregende Stoffe.
Was hat es gekostet — ökologisch?
Kennzahlen zu Fußabdruck, Energie- und Ressourceneinsatz, Haltbarkeit. Der Block, über den in der Öffentlichkeit am meisten gesprochen und im Rechtstext am wenigsten Verbindliches gesagt wird.
Unter der ESPR gehört dieser Block zur Auswahlliste des Anhangs III — er wird erst dann zur Pflicht, wenn ein delegierter Rechtsakt ihn anordnet. Bei Batterien ist er über den Batteriepass bereits konkret.
Was passiert am Ende — und wer braucht dafür was?
Hinweise zu Reparatur, Ersatzteilen, Demontage und Entsorgung. Der Block, der Recycler und Reparaturbetriebe überhaupt erst zu Adressaten des Passes macht.
Die ESPR benennt diesen Kanal nur „gegebenenfalls" — aus ihr allein schuldet heute niemand einem Recycler etwas Konkretes. Wie die Zielform aussieht, zeigt der bereits geltende Batteriepass: Teilenummern, Ersatzteilquellen, Demontagereihenfolgen bis hin zum benötigten Werkzeug.
Womit ist es konform — und wer haftet dafür?
Konformitätsaussagen, Erklärungen in alleiniger Verantwortung, Registrierungskennungen, Warencode. Der unspektakulärste Block und zugleich der, den Marktüberwachung und Zoll zuerst ansehen.
Bei Reinigungsmitteln, Spielzeug und Bauprodukten steht dieser Block bereits im jeweiligen Rechtsakt — und mit ihm die Ebene, auf die er sich bezieht.
Es gibt keine allgemeine DPP-Feldliste. Anhang III der ESPR ist eine Auswahlliste: Er benennt Angaben, die ein Pass enthalten muss oder kann. Welche davon konkret gelten, entscheidet erst der delegierte Rechtsakt der jeweiligen Produktgruppe — und für die meisten Produktgruppen ist er noch nicht erlassen. Wer Ihnen heute einen fertigen, für alle Produkte gültigen Feldsatz verkauft, verkauft eine Annahme ESPR Anhang III.
Wo ein Rechtsakt erlassen ist, hört das Schätzen auf. Für Reinigungsmittel und für Batterien steht der Datensatz im Anhang — mit Artikelstelle nachlesbar. Für alles andere gibt es ihn schlicht noch nicht.
| Produktgruppe | Katalog | Was darin steht | Ebene |
|---|---|---|---|
| Reinigungs- und Waschmittel | Detergenzien-VO Anhang VI Teil A | Identität und Zusammensetzung bis auf die Stoffebene, Konformitäts- und Verantwortungsaussagen, Rückverfolgbarkeit, Warencode, Registrierungskennung. | Modell |
| Batterien | Batterie-VO Anhang XIII Nr. 2Batterie-VO Anhang XIII Nr. 4 | Modellbezogene Angaben inklusive Teilenummern, Ersatzteilquellen und Demontageinformationen — dazu einzelstückbezogene Werte wie Gesundheitszustand und Ladezyklen. | Modell + Einzelstück |
| Alle übrigen ESPR-Gruppen | ESPR Anhang III | Kein Katalog. Die ESPR nennt nur, was ein Pass enthalten kann — die Auswahl trifft der delegierte Rechtsakt, und der ist für diese Gruppen nicht erlassen. | offen |
Der Beispiel-Pass oben ist bewusst ein Reinigungsmittel: Er ist damit einer der wenigen Fälle, in denen sich ein Pass überhaupt gegen einen verbindlichen Katalog prüfen lässt statt gegen eine Vermutung. Welche Ebene für Ihr Produkt gilt — Modell, Charge oder Einzelstück — entscheidet nicht der Pass, sondern der Rechtsakt; die Zuordnung je Gruppe steht auf einer eigenen Seite.
Drei Stationen — und keine davon setzt eine bestimmte Technik voraus.
Am Produkt, auf der Verpackung oder in den Begleitpapieren sitzt ein maschinenlesbarer Träger. Meist ein QR-Code — vorgeschrieben ist er aber nicht: Die ESPR spricht technologieoffen vom „Datenträger", welcher es je Produktgruppe wird, legt der delegierte Rechtsakt fest.
Der Träger enthält keine Produktdaten, sondern führt zu ihnen. Aus der eindeutigen Produktkennung wird eine Web-Adresse — genau eine je Modell, Charge oder Einzelstück, je nachdem, welche Ebene gilt.
Am Ende steht eine Seite, die jeder aufrufen kann: ohne Konto, ohne App, auf jedem Telefon. Was dort öffentlich sichtbar ist und was nicht, richtet sich nach dem jeweiligen Rechtsakt — die ESPR selbst regelt den Rollenzugang nicht abschließend.
Wie eine solche Adresse im Detail aufgebaut ist, steht im Abschnitt zum Link-Aufbau auf der Überblicksseite. Ob Ihr Pass an der Artikelnummer, an der Charge oder am Einzelstück hängt, klärt Charge, Artikel oder Seriennummer.
Alle Rechtsangaben dieser Seite mit ihren Fundstellen. Verbindlich ist allein der jeweilige Rechtsakt in seiner geltenden Fassung.
Gründer von CERTISCAN. Aus der Praxis der Gebäudereinigung in Siegen.
Profil und weitere BeiträgeStand: Juli 2026 — Alle Angaben sind eine redaktionelle Orientierung, keine Rechtsberatung. Fristen und Anwendungsbereiche werden durch delegierte Rechtsakte konkretisiert und können sich ändern; verbindlich ist allein der jeweilige Rechtsakt in seiner geltenden Fassung.
Zwischen dem Beispiel oben und Ihrem eigenen Pass liegen Produktdaten, die heute meist über ERP, Labor und Ordner verteilt sind. Genau daran arbeiten wir: Das DPP-Modul von CERTISCAN ist in Entwicklung — als Pilotbetrieb gestalten Sie mit, welche Wege es zuerst unterstützt.