Es gibt keine einheitliche Antwort, und das ist der ganze Punkt: Jeder Rechtsakt legt die Ebene selbst fest. Diese Seite zeigt, was die drei Ebenen bedeuten, wer sie bestimmt, welche Produktgruppe heute auf welcher steht — und warum der Sprung von einer Ebene zur nächsten den gesamten Aufwand vervielfacht.
Es gibt keine einheitliche Pass-Ebene — jeder Rechtsakt legt sie selbst fest.
Fachleute nennen diese Frage Granularität — gemeint ist schlicht: Woran hängt der Digitale Produktpass? An der Artikelnummer, am Fertigungslos oder am einzelnen Exemplar? Die ESPR beantwortet das nicht. Sie nennt die drei Möglichkeiten und überlässt die Wahl dem delegierten Rechtsakt der jeweiligen Produktgruppe. Von 12 Produktgruppen haben heute 5 eine belegte Ebene, 7 keine.
Die einzige Beschreibung der drei Ebenen im Rechtstext steht in Erwägungsgrund 33 der ESPR. Sie erklärt — sie ordnet nichts an.
Sinngemäß nach ESPR Erwägungsgrund 33. Der Erwägungsgrund formuliert unverbindlich („bezieht sich in der Regel auf") und gehört nicht zum verfügenden Teil der Verordnung — er ist die beste vorhandene Beschreibung, aber keine Legaldefinition.
Die drei Ebenen bauen aufeinander auf: Jede feinere Stufe enthält alles aus der gröberen und fügt etwas hinzu. Und mit jeder Stufe vervielfacht sich die Anzahl der Pässe, die Sie führen. Deshalb ist die Ebene die teuerste Einzelentscheidung im ganzen Passprojekt — und deshalb entscheidet sie nicht Ihr Systemanbieter, sondern der Rechtsakt.
In den Beispielen unten steht die Kennung eines Passes. Der helle Teil ist das, was die jeweilige Stufe hinzufügt; der gedämpfte Teil davor ist unverändert von der Stufe darüber geerbt. Die Ziffernfolgen sind frei gewählt und tragen keinen Rechtsbezug.
/01/ein Pass je Artikelnummer
Eine Version eines Produkts, deren Einheiten dieselben technischen Merkmale und dasselbe Modellkennzeichen teilen. Alltagssprachlich: alles, was unter einer Artikelnummer läuft.
+ /10/ein Pass je Fertigungslos
Eine Teilmenge eines Modells, die in einem Werk zu einem bestimmten Zeitpunkt gefertigt wurde. Alltagssprachlich: ein Fertigungslos.
+ /21/ein Pass je Einzelstück
Eine einzelne Einheit — ein Exemplar. Alltagssprachlich: das Stück, das der Kunde in der Hand hält, mit einer eigenen Seriennummer.
Zu den Zahlen: 1 · 10.000 · 10 Mio. sind Größenordnungen zur Veranschaulichung, bezogen auf einen Artikel über seine Marktlaufzeit. Sie stehen in keinem Rechtsakt. Kosten je Pass nennen wir bewusst nicht — es gibt dafür keine belastbare Quelle, und eine geschätzte Zahl wäre auf einer Seite mit Rechtsangaben derselbe Fehler wie ein erfundener Artikel.
Beim Inverkehrbringen muss eine Sicherungskopie des Passes über einen unabhängigen Drittdienstleister vorliegen. Das gilt für einen einzigen Modellpass genauso wie für zehn Millionen Einzelpässe — nur wächst mit der Ebene die Datenmenge, die gesichert werden muss.
Der Pass bleibt verfügbar, auch nach Insolvenz, Liquidation oder Einstellung der Tätigkeit. Auf Einzelstückebene ist das die härteste Anforderung des ganzen Themas: Die Daten müssen so lange bereitstehen, wie das Stück existiert.
Und zwar nicht nur an einer Stelle. Das ist kein Versehen des Gesetzgebers, sondern Absicht: Er wollte die Ebene an das Produkt anpassen können statt eine für alle vorzuschreiben.
Die Ökodesign-Verordnung nennt die drei Ebenen an mehreren Stellen — und jedes Mal als Auswahl, die der produktgruppenspezifische Rechtsakt zu treffen hat, nie als Vorgabe. Solange dieser Rechtsakt fehlt, gibt es für die betreffende Gruppe keine Ebene. Nicht „vermutlich Modellebene", sondern gar keine.
Deshalb ist „der DPP gilt je Einzelstück" falsch. Der Satz kursiert im Markt, weil der Batteriepass als Erster kommt und tatsächlich je Einzelstück gilt. Von dort auf alle anderen Produktgruppen zu schließen, ist der häufigste Fehler zum Thema — und der teuerste, weil an ihm ganze Serialisierungsprojekte hängen, die niemand braucht.
„Die Ebene soll je nach z. B. der Komplexität der Wertschöpfungskette, der Größe, der Art oder Auswirkungen der betreffenden Produkte gewählt werden."
Sinngemäß wiedergegeben. Im Original heißt es, der Pass solle für das konkrete Produkt, die Charge oder das Produktmodell spezifisch sein — und zwar so, dass keine Kosten entstehen, die außer Verhältnis zum Nutzen stehen.
Sortiert nach Ebene, nicht nach Gruppe — die Fristen je Gruppe stehen im Nachschlagewerk auf der Fristen-Seite. Hier zählt allein, woran der Pass hängt.
ein Pass je Einzelstück
ein Pass je Fertigungslos
ein Pass je Artikelnummer
Die Ebene legt erst der jeweilige Rechtsakt fest — und der ist noch nicht erlassen
Bei Bauprodukten heißt die Ebene im Verordnungstext Produkttyp: Der Pass entspricht dem Produkttyp und seinem eindeutigen Kenncode CPR Art. 76 Abs. 2 lit. d. Praktisch ist das dasselbe wie ein Pass je Artikelnummer — deshalb steht die Gruppe hier bei der Modellebene, im Fließtext aber immer als „Produkttyp", weil das der amtliche Wortlaut ist. Bei Spielzeug gilt die Modellebene, und die einzige zugelassene Abweichung ist die Charge — das Einzelstück ist ausdrücklich ausgeschlossen Spielzeug-VO Art. 19 Abs. 9.
Nicht, weil Batterien wichtiger wären. Sondern weil sie als einzige Produktgruppe eine eigene Geschichte je Stück haben.
Gesundheitszustand, Status, Lade- und Entladezyklen, negative Ereignisse — das sind Werte, die sich von Stück zu Stück unterscheiden und sich über die Nutzung verändern. Auf Modellebene ließen sie sich gar nicht abbilden: Zwei Batterien desselben Modells haben nach drei Jahren zwei verschiedene Zustände.
Der Batteriepass trägt zusätzlich Teilenummern, Kontaktdaten für Ersatzteilquellen und Demontageinformationen bis hin zum benötigten Werkzeug. Das ist modellbezogen — aber es hängt an einem Pass, der jedes Stück einzeln kennt.
Wird eine Batterie wiederaufgearbeitet oder umgenutzt, ist ein neuer Pass fällig, der mit dem ursprünglichen verknüpft ist. Diese Verknüpfung ist überhaupt nur führbar, wenn jedes Stück von Anfang an eine eigene Kennung hatte — auf Modellebene gäbe es nichts, woran man den neuen Pass anhängen könnte.
Der Umkehrschluss ist die eigentliche Entlastung: Bei einem Reinigungsmittel, einem Spielzeug oder einem Bauprodukt ist jedes Exemplar eines Modells informatorisch identisch. Ein Pass je Stück trüge millionenfach denselben Inhalt — Aufwand ohne jeden Erkenntnisgewinn. Genau das meint Erwägungsgrund 33 mit Kosten, die außer Verhältnis zum Nutzen stehen.
Wichtig zur Einordnung: Anhang XIII gehört zum Batterierecht. Er zeigt, wie ein einzelstückbezogener Datensatz aussieht — er verpflichtet niemanden außerhalb der Batterieverordnung. Für andere Produktgruppen lässt sich daraus keine Pflicht ableiten, wohl aber ein Bild davon, was auf dieser Ebene technisch verlangt wird.
Der GS1 Digital Link bildet die Ebenen segmentweise ab. Er ist der dominierende Standard — vorgeschrieben ist er nicht.
| Ebene | Segment | Bedeutung |
|---|---|---|
| Modellebene | /01/ | ein Pass je Artikelnummer |
| Chargenebene | + /10/ | ein Pass je Fertigungslos |
| Artikelebene | + /21/ | ein Pass je Einzelstück |
Ein Produktpass wird über eine Web-Adresse aufgerufen. Beim GS1 Digital Link adressiert die GTIN das Modell; kommt ein Chargensegment dazu, adressiert die Adresse ein Fertigungslos; kommt ein Seriensegment dazu, ein einzelnes Exemplar. Die drei Ebenen dieser Seite lassen sich damit sauber abbilden.
Die ESPR definiert den Datenträger technologieoffen. Ein QR-Code ist der Regelfall in der Praxis, aber nicht vorgeschrieben — NFC oder Data Matrix kommen ebenso in Betracht. Und der GS1 Digital Link ist ein Marktstandard, keine gesetzliche Vorgabe. Wer ihn Ihnen als Pflicht verkauft, verwechselt Verbreitung mit Verbindlichkeit.
Alle Rechtsangaben dieser Seite mit ihren Fundstellen. Verbindlich ist allein der jeweilige Rechtsakt in seiner geltenden Fassung.
Gründer von CERTISCAN. Aus der Praxis der Gebäudereinigung in Siegen.
Profil und weitere BeiträgeStand: Juli 2026 — Alle Angaben sind eine redaktionelle Orientierung, keine Rechtsberatung. Fristen und Anwendungsbereiche werden durch delegierte Rechtsakte konkretisiert und können sich ändern; verbindlich ist allein der jeweilige Rechtsakt in seiner geltenden Fassung.
Die Ebene entscheidet, wie viele Pässe Sie führen — und damit, ob eine Tabellenkalkulation noch reicht. CERTISCAN bündelt die Produktdaten und stellt je Artikel eine dauerhafte, öffentliche Pass-URL samt QR-Code bereit; der veröffentlichte Pass bleibt lesbar, auch wenn das Modul abgeschaltet wird. Der GS1 Digital Link ist heute auf Modellebene umgesetzt, Chargen- und Artikelebene sind vorbereitet, aber noch nicht implementiert. Das DPP-Modul ist im Aufbau — als Pilot gestalten Sie mit.
Und noch eine Unterscheidung, an der viele Projekte hängen bleiben: Eine Chargennummer auf der Verpackung ist Kennzeichnung. Ob der Pass an ihr hängt, ist eine davon getrennte Frage. Ein Produkt kann eine Chargennummer tragen und trotzdem einen einzigen Pass je Artikelnummer haben.