Über einen Datenträger am Produkt und eine Web-Adresse dahinter. Welcher Träger das sein muss, schreibt kein Gesetz vor — und der Standard, den fast alle dafür nutzen, ist keine Norm. Diese Seite zeigt den Aufbau Segment für Segment und trennt sauber, was verbindlich ist und was nur so klingt.
Der Datenträger führt auf eine Web-Adresse — welchen Träger Sie wählen, schreibt kein Gesetz vor.
Am Produkt sitzt ein Datenträger. Er enthält keine Produktdaten, sondern nur den Weg dorthin: eine Web-Adresse. Was viele überrascht — die ESPR legt dabei überhaupt keine Technik fest. Sie definiert den Datenträger als „Strichcode, zweidimensionales Symbol oder ein anderes automatisches Datenerfassungsmedium". Das ist eine Gattungsbeschreibung, keine Auswahlliste.
Es gibt keinen QR-Zwang. Die Aussage „der Produktpass braucht einen QR-Code" gehört zu den häufigsten Falschaussagen im Markt. Der QR-Code ist der Regelfall der Praxis, weil ihn jedes Telefon liest — vorgeschrieben ist er nicht. Welche Technik es je Produktgruppe wird, kann erst der delegierte Rechtsakt festlegen.
Vier Techniken, vier verschiedene Stärken. Die Verordnung zählt sie nicht auf — sie beschreibt die Gattung, in die alle vier fallen.
Ein zweidimensionales Symbol, das jedes Smartphone ohne Zusatzgerät liest.
Der Regelfall, weil jeder Endkunde ihn ohne Anleitung scannen kann. Braucht eine bedruckbare, sichtbare Fläche und geht mit der Verpackung verloren.
Ebenfalls ein zweidimensionales Symbol, aber deutlich kleiner druckbar.
Für kleine Bauteile und direkte Beschriftung auf Metall oder Kunststoff. Verbraucher scannen ihn seltener, Standard-Kamera-Apps erkennen ihn nicht immer.
Ein Produktpass wird über eine Web-Adresse aufgerufen. Der GS1 Digital Link setzt sie aus festen Bausteinen zusammen — die vertraute Artikelnummer wird zur URL. Der GS1 Digital Link ist der dominierende Standard der Praxis — vorgeschrieben ist er nicht. Jedes Segment hat eine Bedeutung:
https://id.beispiel.deDomain des Pass-Dienstes/01/AI 01 — Kennzeichner GTIN04012345678901GTIN (Artikelnummer)/10/AI 10 — Kennzeichner ChargeLOT-2027-AChargennummer/21/AI 21 — Kennzeichner Serie000000418Seriennummer| Segment | Bedeutung | Nötig? |
|---|---|---|
| Domain des Pass-Dienstes | Wo der Pass liegt. Diese Domain wählt der Hersteller — sie muss so lange erreichbar bleiben, wie der Pass gebraucht wird. | immer |
| /01/ | Der Kennzeichner sagt: „Was jetzt kommt, ist eine Artikelnummer." Ohne ihn wäre die folgende Ziffernfolge nur eine Zahl im Pfad. | immer |
| GTIN (Artikelnummer) | Die weltweit eindeutige Artikelnummer — dieselbe Zahl, die seit Jahrzehnten unter jedem Strichcode im Handel steht. | immer |
| /10/ | Kennzeichner für ein Fertigungslos. Entfällt, wenn der Pass am Modell hängt. | optional |
Ein Segment mehr, eine Stufe feiner. Die Adresse wächst mit — aus „alle Stück dieser Artikelnummer" wird „dieses Los", und daraus „genau dieses Stück". Welche Stufe Ihr Produkt braucht, entscheidet nicht der Standard, sondern der Rechtsakt Ihrer Produktgruppe.
ein Pass je Artikelnummer
Alle Exemplare dieser Artikelnummer — der Pass gilt für das Produkt als solches.
ein Pass je Fertigungslos
Nur das eine Fertigungslos — mit den Werten, die genau für dieses Los gemessen wurden.
ein Pass je Einzelstück
Genau dieses eine Stück — mit seiner eigenen Geschichte, Zustand und Verlauf.
Die Ebene ist die teuerste Einzelentscheidung im ganzen Passprojekt — zwischen der gröbsten und der feinsten liegen mehrere Zehnerpotenzen an Pässen. Wer sie festlegt und welche Produktgruppe heute auf welcher steht, steht auf einer eigenen Seite.
Vier Schritte. Der zweite ist der interessante — und der einzige, an dem in diesem Themenfeld überhaupt eine internationale Norm hängt.
Kamera, NFC-Antenne oder Handscanner holen aus dem Träger genau eine Sache heraus: eine Web-Adresse. Der Träger selbst enthält keine Produktdaten — er enthält den Weg dorthin.
Ein Dienst unter der Domain nimmt die Adresse entgegen und entscheidet, worauf sie zeigt. Genau dieser Schritt ist der Grund, warum eine Adresse mehrere Ziele haben kann — Produktpass, Bedienungsanleitung, Sicherheitsdatenblatt.
Wer scannt, entscheidet mit: Ein Endkunde landet auf der lesbaren Seite, ein Fachsystem fordert dieselbe Adresse maschinenlesbar an und bekommt strukturierte Daten zurück. Eine Adresse, zwei Antwortformen.
Erst hier kommen die Daten ins Spiel. Der Zugang muss kostenlos und ohne Registrierung möglich sein — das steht in der ESPR und gilt unmittelbar, unabhängig davon, welche Technik Sie einsetzen.
Der Datenträger ist unveränderlich, das Ziel nicht. Was einmal auf der Verpackung steht, steht dort, solange das Produkt existiert — ändern lässt sich nur, worauf die Adresse zeigt. Daraus folgt die wichtigste Entscheidung des ganzen Themas, und sie fällt vor dem ersten Druck: Wählen Sie eine Domain, die Sie dauerhaft kontrollieren. Der Pass muss auch nach Insolvenz, Liquidation oder Einstellung der Tätigkeit verfügbar bleiben — eine Adresse, die an einen Dienstleistervertrag hängt, trägt das nicht.
Der GS1 Digital Link ist ein GS1-Standard, keine ISO-Norm. Genormt ist der Auflösungsmechanismus. Diese Unterscheidung sieht nach Haarspalterei aus und ist keine.
Der GS1 Digital Link ist der dominierende Standard der Praxis — vorgeschrieben ist er nicht. Rechtlich verankert ist er nur mittelbar: Der Rechtstext verlangt eine eindeutige Produktkennung und nennt die GTIN als eine mögliche Ausprägung davon — nach der einschlägigen internationalen Normenreihe für eindeutige Kennungen. „GS1" als Organisation oder „Digital Link" als Syntax steht in keinem Rechtsakt.
| Gegenstand | Herausgeber | Art | Was das praktisch heißt |
|---|---|---|---|
| GS1 Digital Link URI SyntaxMarktstandard | GS1 (Standardisierungsorganisation der Wirtschaft) | GS1-Standard — keine ISO-Norm | Die Regeln, nach denen die Adresse aufgebaut wird, kommen von GS1 selbst. Das ist ein Industriestandard einer privaten Organisation — kein Gesetz und keine internationale Norm. |
| ISO/IEC 18975:2024international genormt | ISO/IEC | internationale Norm | Genormt ist nicht die Syntax, sondern der Auflösungsmechanismus: wie ein Dienst aus einer solchen Adresse das richtige Ziel bestimmt. Genau hier — und nur hier — sitzt die ISO-Norm, die im Markt der Syntax zugeschrieben wird. |
| Die europäischen DPP-NormenKonformitätsvermutung möglich | CEN-CLC/JTC 24 | europäische Normenreihe, sechs veröffentlicht, zwei im Entwurf | Das ist die eigentliche europäische DPP-Normung — Datenträger, Kennungen, Schnittstellen, Persistenz. Sie ist nicht lückenlos nummeriert, und welche der acht Normen im Amtsblatt zitiert sind, ist nach heutigem Stand offen.CEN-CLC/JTC 24Beschluss (EU) 2026/1736 |
| Verwaltungsschale (AAS)keine ESPR-Wirkung | IEC | internationale Norm — aber nicht für den DPP | Ein Digital-Twin-Container aus der Fertigungswelt. Er kann DPP-Daten tragen, ist aber kein DPP-Standard: nicht vom Normungsmandat M/604 erfasst und ohne Konformitätsvermutung unter der ESPR.IEC 63278-1:2023 |
| CIRPASSkeine ESPR-Wirkung | EU-gefördertes Projekt | Projekt-Blaupause — keine Norm | Eine gemeinsame Vorarbeit zu DPP-Datenpunkten. Es gibt keine „CIRPASS-Zertifizierung" und keine Pflicht, sich daran zu halten.CIRPASS-2 |
Sie werden die Schreibweise „EN 18216 ff." häufig lesen. Sie ist irreführend: Die Reihe ist nicht durchnummeriert, und wer „ff." liest, zitiert mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Norm, die es nicht gibt. Umgekehrt fallen die beiden Entwürfe aus dem Blick, weil ihre Nummern weit hinter den übrigen liegen. Deshalb hier ausgezählt.
Nach derzeitigem Stand ist ein Teil dieser Normen im Amtsblatt zitiert und begründet damit eine Konformitätsvermutung. Welche genau, ist offen — wir nennen deshalb bewusst keine Auswahl.
„GS1 Sunrise 2027" ist eine Marktinitiative — kein Gesetz, keine Norm und keine Frist. Wer sie Ihnen als DPP-Pflicht verkauft, verwechselt zwei verschiedene Vorhaben. Beide haben denselben Zeithorizont, dieselbe Technik im Bild und dieselben Adressaten — deshalb laufen sie im Markt ständig zusammen, bis hin zu Angeboten, die eine „Sunrise-Frist" als gesetzliche Pflicht verkaufen. Vier Fragen trennen sie sauber.
| Frage | GS1 Sunrise 2027 | DPP-Pflicht der EU |
|---|---|---|
| Wer steht dahinter? | GS1 — eine Standardisierungsorganisation der Wirtschaft, getragen von Handel und Herstellern. | Die Europäische Union, über die Ökodesign-Verordnung und die produktgruppenspezifischen Rechtsakte.VO (EU) 2024/1781 |
| Ist es verpflichtend? | Nein. Eine freiwillige Brancheninitiative — niemand kann Sie dazu zwingen, und niemand kann Sie dafür sanktionieren. | Ja, sobald der Rechtsakt Ihrer Produktgruppe gilt. Dann ist es Unionsrecht mit Marktüberwachung.ESPR Art. 74 |
| Worum geht es inhaltlich? | Darum, dass Kassensysteme im Handel zweidimensionale Codes verarbeiten können — eine Frage der Ladenausstattung. | Darum, dass zu einem Produkt strukturierte Nachhaltigkeits- und Konformitätsdaten abrufbar sind — eine Frage der Produktdaten. |
| Was passiert, wenn ich nichts tue? | Nichts von Rechts wegen. Möglicherweise verlangt ein Handelspartner es vertraglich — das ist dann eine Kundenanforderung, keine Pflicht. | Ihr Produkt ist nicht konform. Die ESPR verlangt wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen; die Höhe setzen die Mitgliedstaaten fest.ESPR Art. 74 |
Das heißt ausdrücklich nicht, dass die Initiative unwichtig wäre — wer ohnehin einen 2D-Code auf die Packung bringt, löst beide Themen mit einem Aufwand. Es heißt nur: Die Begründung ist eine andere. Das eine ist eine Anforderung Ihrer Handelspartner, das andere eine des Gesetzgebers. Wer beides verwechselt, plant nach dem falschen Termin — und begründet ein Projekt gegenüber der Geschäftsführung mit einer Frist, die es nicht gibt.
Zwei Zeilen sind umgesetzt, zwei sind es nicht. Was noch fehlt, steht hier als „in Entwicklung“ — nicht im Konjunktiv und nicht zwischen den Zeilen.
Zur Einordnung, weil im Markt das Gegenteil versprochen wird: Ein eigener Auflösungsdienst für GS1-Adressen gehört nicht zum heutigen Funktionsumfang. Der GS1 Digital Link erscheint bei uns als kanonische Kennung im maschinenlesbaren Teil des Passes — als Angabe über das Produkt, nicht als Weg zum Pass.
Alle Rechtsangaben dieser Seite mit ihren Fundstellen. Verbindlich ist allein der jeweilige Rechtsakt in seiner geltenden Fassung.
Founder of CERTISCAN. From building-services practice in Siegen.
Profil und weitere BeiträgeStand: Juli 2026 — Alle Angaben sind eine redaktionelle Orientierung, keine Rechtsberatung. Fristen und Anwendungsbereiche werden durch delegierte Rechtsakte konkretisiert und können sich ändern; verbindlich ist allein der jeweilige Rechtsakt in seiner geltenden Fassung.
Der Link ist der einfache Teil. Der Aufwand steckt darin, je Artikel dieselben Angaben aus mehreren Systemen sauber zusammenzuführen. CERTISCAN bündelt die Produktdaten und stellt je Artikel eine dauerhafte, öffentliche Pass-Adresse samt Code bereit; der veröffentlichte Pass bleibt lesbar, auch wenn das Modul abgeschaltet wird. Das DPP-Modul ist im Aufbau — als Pilot gestalten Sie mit.
Ein Funkchip im Produkt, der beim Antippen mit dem Telefon antwortet.
Überlebt Verschmutzung, Abrieb und den Verlust der Verpackung — und bleibt am Produkt, wenn das Etikett längst weg ist. Kostet je Stück deutlich mehr als Druckfarbe.
Funktechnik mit größerer Reichweite, oft im Pulk gelesen.
Stark in Logistik und Warenwirtschaft, weil ganze Paletten auf einmal erfasst werden. Für den Endkunden praktisch nicht nutzbar — normale Telefone lesen es nicht.
| Chargennummer | Das konkrete Los — welche Charge, aus welchem Werk, aus welcher Schicht. | optional |
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| /21/ | Kennzeichner für ein einzelnes Exemplar. Nur nötig, wenn jedes Stück zählt. | optional |
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| Seriennummer | Genau dieses eine Stück — die feinste Adressierung, die der Standard kennt. | optional |
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