Gefaehrdungsbeurteilung erstellen: Pflicht & Vorlage
Blog / Gefaehrdungsbeurteilung erstellen: Pflicht & Vorlage Allgemein
Gefaehrdungsbeurteilung erstellen: Pflicht & Vorlage Die Gefaehrdungsbeurteilung nach ArbSchG §5 ist die wichtigste Pflicht jedes Arbeitgebers. Erfahren Sie den 7-Schritte-Prozess, welche Gefaehrdungen zu beurteilen sind und wie Sie psychische Belastungen einbeziehen.
CS Christoph Schulz 18. Mai 2025
Compliance & Betrieb in einer App. Made & hosted in Germany.
DSGVO AES-256 WORM-AUDIT XRECHNUNG CSRD InhaltDie Gefaehrdungsbeurteilung nach ArbSchG §5 ist die zentrale Pflicht jedes Arbeitgebers im Arbeitsschutz – und sie muss alle relevanten Gefaehrdungen erfassen, von mechanischen Gefahren bis hin zu psychischen Belastungen.
01 RechtsgrundlagenArbSchG §5 : Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Pflicht)ArbSchG §6 : Dokumentation der Gefaehrdungsbeurteilung (Pflicht)BetrSichV §3 : Gefaehrdungsbeurteilung fuer ArbeitsmittelGefStoffV §6 : Gefaehrdungsbeurteilung fuer GefahrstoffeArbStaettV §3 : Gefaehrdungsbeurteilung fuer ArbeitsstaettenMuSchG §10 Häufige Fragen (FAQ) Wer muss eine Gefaehrdungsbeurteilung erstellen? Jeder Arbeitgeber, unabhaengig von der Betriebsgroesse. Auch bei einem einzigen Mitarbeiter ist die Gefaehrdungsbeurteilung Pflicht (ArbSchG §5). Die Verantwortung liegt beim Arbeitgeber, die Durchfuehrung kann an die Fachkraft fuer Arbeitssicherheit oder qualifizierte Mitarbeiter delegiert werden.
Wie oft muss die Gefaehrdungsbeurteilung aktualisiert werden? Bei jeder wesentlichen Aenderung: Neue Arbeitsmittel, neue Arbeitsverfahren, neue Gefahrstoffe, Umzug, nach Arbeitsunfaellen, bei neuen gesetzlichen Anforderungen. Zusaetzlich empfiehlt die BAuA eine regelmaessige Ueberpruefung (jaehrlich). Die Dokumentation muss stets aktuell sein.
© 2026 CERTISCAN · Christoph Schulz · Siegen
AES-256 · DSGVO · WORM-Audit : Gefaehrdungsbeurteilung fuer schwangere Mitarbeiterinnen
02 Der 7-Schritte-Prozess
Schritt 1: Arbeitsbereiche und Taetigkeiten festlegen Alle Arbeitsbereiche/Arbeitsplaetze identifizieren Taetigkeiten und Arbeitsablaeufe beschreiben Gleichartige Arbeitsplaetze gruppieren (Typ-GBU) Besondere Personengruppen beruecksichtigen (Schwangere, Jugendliche, Behinderte)
Schritt 2: Gefaehrdungen ermitteln Die 11 Gefaehrdungsfaktoren nach GDA (Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie):
Nr. Gefaehrdungsfaktor Beispiele 1 Mechanische Gefaehrdungen Quetschen, Schneiden, Sturzgefahr 2 Elektrische Gefaehrdungen Stromschlag, Lichtbogen 3 Gefahrstoffe Chemikalien, Staub, Daempfe 4 Biologische Gefaehrdungen Viren, Bakterien, Schimmel 5 Brand- und Explosionsgefaehrdungen Brennbare Stoffe, Zuendquellen 6 Thermische Gefaehrdungen Hitze, Kaelte, heisse Oberflaechen 7 Physikalische Einwirkungen Laerm, Vibration, Strahlung 8 Arbeitsumgebung Beleuchtung, Klima, Raum 9 Physische Belastungen Heben, Tragen, Zwangshaltungen 10 Psychische Belastungen Zeitdruck, Monotonie, Konflikte 11 Sonstige Gefaehrdungen Tiere, Alleinarbeit, Verkehr
Nr. 1
Gefaehrdungsfaktor Mechanische Gefaehrdungen
Beispiele Quetschen, Schneiden, Sturzgefahr
Nr. 2
Gefaehrdungsfaktor Elektrische Gefaehrdungen
Beispiele Stromschlag, Lichtbogen
Nr. 3
Gefaehrdungsfaktor Gefahrstoffe
Beispiele Chemikalien, Staub, Daempfe
Schritt 3: Risiken bewerten Risiko-Matrix (Wahrscheinlichkeit × Schwere):
Geringe Schwere Mittlere Schwere Hohe Schwere Sehr hohe Schwere Haeufig Mittel Hoch Sehr hoch Kritisch Gelegentlich Niedrig Mittel Hoch Sehr hoch Selten Niedrig Niedrig Mittel Hoch Unwahrscheinlich Vernachlaessigbar Niedrig Niedrig Mittel
Haeufig
Geringe Schwere Mittel
Mittlere Schwere Hoch
Hohe Schwere Sehr hoch
Sehr hohe Schwere Kritisch
Gelegentlich
Geringe Schwere Niedrig
Mittlere Schwere Mittel
Hohe Schwere Hoch
Sehr hohe Schwere Sehr hoch Kritisch/Sehr hoch : Sofortige Massnahme erforderlich, ggf. Taetigkeit einstellenHoch : Kurzfristige Massnahme (innerhalb 1 Woche)Mittel : Mittelfristige Massnahme (innerhalb 3 Monaten)Niedrig : Langfristige Planung, Restrisiko akzeptabelVernachlaessigbar : Keine Massnahme erforderlich
Schritt 4: Massnahmen festlegen (TOP-Prinzip) Massnahmen muessen in dieser Reihenfolge geprueft werden:
T – Technische Massnahmen (hoechste Prioritaet) - Schutzeinrichtungen, Absperrungen, Absaugung - Substitution gefaehrlicher Stoffe - Automatisierung gefaehrlicher Taetigkeiten
O – Organisatorische Massnahmen - Arbeitszeitregelungen, Pausenregelungen - Unterweisungen, Betriebsanweisungen - Zugangsregelungen, Erlaubnisscheine
P – Persoenliche Massnahmen (niedrigste Prioritaet) - Persoenliche Schutzausruestung (PSA) - Verhaltensregeln - PSA ist immer die letzte Option, nicht die erste!
Schritt 5: Massnahmen umsetzen Verantwortliche benennen Fristen setzen Budget bereitstellen Mitarbeiter informieren und schulen Umsetzung dokumentieren
Schritt 6: Wirksamkeit pruefen Hat die Massnahme das Risiko reduziert? Sind neue Gefaehrdungen entstanden? Wird die Massnahme akzeptiert und eingehalten? Messung: Unfallzahlen, Fehlzeiten, Mitarbeiterfeedback
Schritt 7: GBU fortschreiben Bei jeder wesentlichen Aenderung aktualisieren Regelmaessige Ueberpruefung (jaehrlich empfohlen) Dokumentation stets aktuell halten Erfahrungen aus Unfaellen/Beinahe-Unfaellen einarbeiten 03 Psychische Belastung: Die vergessene PflichtSeit 2013 ist die Beurteilung psychischer Belastungen explizit im ArbSchG verankert. Gefaehrdungsfaktoren:
Arbeitsinhalt : Monotonie, Unterforderung, Ueberforderung, emotionale BelastungArbeitsorganisation : Zeitdruck, unregelmaessige Arbeitszeiten, haeufige UnterbrechungenSoziale Beziehungen : Konflikte, Mobbing, fehlende Unterstuetzung, FuehrungsverhaltenArbeitsumgebung : Laerm, Beleuchtung, Klima, beengte VerhaeltnisseNeue Arbeitsformen : Homeoffice, staendige Erreichbarkeit, InformationsueberflutungMethoden zur Erfassung Mitarbeiterbefragung (standardisierte Fragebogen, z.B. COPSOQ)Beobachtungsinterviews (Arbeitsplatzbegehung mit Gespraech)Moderierte Workshops (Gruppengespraech mit Moderation)Arbeitssituationsanalyse (strukturierte Beobachtung)04 DokumentationspflichtArbSchG §6 fordert die Dokumentation von:
Ergebnis der Gefaehrdungsbeurteilung (welche Gefaehrdungen bestehen)Festgelegte Massnahmen (was wird dagegen getan)Ergebnis der Ueberpruefung (war die Massnahme wirksam)Die Dokumentation muss nachvollziehbar und aktuell sein. Form: Digital oder Papier, es gibt keine Formvorschrift.
05 Weiterführende Ressourcen06 FazitDie Gefaehrdungsbeurteilung ist nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern der wirksamste Hebel fuer sicheres Arbeiten. Mit dem 7-Schritte-Prozess, der Risiko-Matrix und dem TOP-Prinzip schaffen Sie eine systematische Grundlage – auch fuer psychische Belastungen.
Testen Sie CERTISCAN 14 Tage kostenlos und digitalisieren Sie Ihre Gefaehrdungsbeurteilungen. Zur Warteliste →
Muss die psychische Belastung in der Gefaehrdungsbeurteilung beruecksichtigt werden? Ja, seit 2013 ist die Beurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz explizit im ArbSchG §5 Abs. 3 Nr. 6 verankert. Dies umfasst: Arbeitsintensitaet, Arbeitszeit, Handlungsspielraum, soziale Beziehungen, Arbeitsumgebung und neue Arbeitsformen (Homeoffice).
Weiterführende Ressourcen
Certiscan macht Compliance automatisch
Zeiterfassung, E-Rechnung, Prüfungen und mehr — in einer App.
Pilotzugang anfragen
Biologische Gefaehrdungen
Beispiele Viren, Bakterien, Schimmel
Nr. 5
Gefaehrdungsfaktor Brand- und Explosionsgefaehrdungen
Beispiele Brennbare Stoffe, Zuendquellen
Nr. 6
Gefaehrdungsfaktor Thermische Gefaehrdungen
Beispiele Hitze, Kaelte, heisse Oberflaechen
Nr. 7
Gefaehrdungsfaktor Physikalische Einwirkungen
Beispiele Laerm, Vibration, Strahlung
Nr. 8
Gefaehrdungsfaktor Arbeitsumgebung
Beispiele Beleuchtung, Klima, Raum
Nr. 9
Gefaehrdungsfaktor Physische Belastungen
Beispiele Heben, Tragen, Zwangshaltungen
Nr. 10
Gefaehrdungsfaktor Psychische Belastungen
Beispiele Zeitdruck, Monotonie, Konflikte
Nr. 11
Gefaehrdungsfaktor Sonstige Gefaehrdungen
Beispiele Tiere, Alleinarbeit, Verkehr
Geringe Schwere
Niedrig
Unwahrscheinlich
Geringe Schwere Vernachlaessigbar
Mittlere Schwere Niedrig
Hohe Schwere Niedrig
Sehr hohe Schwere Mittel