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Elektropruefung im Unternehmen: Der komplette Leitfaden

Christoph Schulz27. Juni 20253 Min. Lesezeit
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Die Elektropruefung im Unternehmen ist eine gesetzliche Pflicht, die mehrere Rechtsquellen und Normen umfasst – von der DGUV V3 ueber die BetrSichV bis zu den VDE-Normen. Dieser Leitfaden erklaert alle Pruefarten, den konkreten Pruefumfang und die richtige Dokumentation.

Die drei Saeulen der Elektropruefung

1. DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3)

Die DGUV V3 ist die Unfallverhuetungsvorschrift der Berufsgenossenschaften und regelt:

  • Wiederkehrende Pruefung aller elektrischen Anlagen und Betriebsmittel
  • Prueffristen je nach Geraetetyp und Einsatzumgebung
  • Dokumentationspflicht mit Pruefprotokoll und -plakette
  • Qualifikation des Pruefers (befaehigte Person nach TRBS 1203)

2. Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)

Die BetrSichV ist eine staatliche Verordnung und fordert:

  • Gefaehrdungsbeurteilung vor Bereitstellung von Arbeitsmitteln
  • Pruefung vor Inbetriebnahme und nach wesentlichen Aenderungen
  • Wiederkehrende Pruefung in angemessenen Zeitabstaenden
  • Pruefung nach Unfaellen oder besonderen Vorkommnissen

3. VDE-Normen

Die VDE-Normen definieren die technischen Details:

  • VDE 0100-600: Erstpruefung elektrischer Installationen
  • VDE 0105-100: Betrieb von elektrischen Anlagen
  • VDE 0701-0702: Pruefung nach Instandsetzung/Aenderung und Wiederholungspruefung
  • VDE 0113: Elektrische Ausruestung von Maschinen

Was wird bei einer Elektropruefung konkret geprueft?

Sichtpruefung (immer zuerst)

Die Sichtpruefung umfasst:

  • Gehaeuse: Risse, Verformungen, fehlende Abdeckungen
  • Kabel und Leitungen: Knickstellen, Abschuerfungen, freiliegende Adern
  • Stecker und Kupplungen: Bruch, Verfaerbungen (Hitze), lose Kontakte
  • Beschriftungen: Vorhandensein von Typenschild, CE-Zeichen, Pruefplakette
  • Aufstellung/Montage: Korrekte Befestigung, Zugaenglichkeit, Beleuchtung

Messtechnische Pruefung

MessungGrenzwertMessgeraet
SchutzleiterwiderstandMax. 0,3 OhmSchutzleitermessgeraet
IsolationswiderstandMin. 1 MOhm (bei 500V DC)Isolationsmessgeraet
BeruehrungsstromMax. 0,5 mADifferenzstrommessgeraet
SchutzleiterstromMax. 3,5 mADifferenzstrommessgeraet
RCD-AusloesestromNennwert (typ. 30 mA)RCD-Tester
RCD-AusloeseszeitMax. 200 ms (bei 1x IΔn)RCD-Tester
SchleifenimpedanzAbhaengig vom SchutzorganSchleifenimpedanzmessgeraet

Funktionspruefung

  • Schalter und Taster: Korrekte Funktion, keine Verzoegerung
  • Sicherheitseinrichtungen: Not-Aus, Schutztuerkontakte, Lichtschranken
  • Anzeigen und Signalleuchten: Korrekte Darstellung
  • Schutzmassnahmen: FI-Schutzschalter, Isolationsueberwachung

Pruefumfang nach Geraetetyp

Buerogeraete (PC, Monitor, Drucker)

  • Sichtpruefung (5 Min pro Geraet)
  • Schutzleiterwiderstand (SK I) oder Isolationswiderstand (SK II)
  • Beruehrungsstrom
  • Typischer Zeitaufwand: 5-10 Min pro Geraet

Werkstattgeraete (Bohrmaschine, Flex, Schweissgeraet)

  • Erweiterte Sichtpruefung (Verschleiss!)
  • Alle Messungen (Schutzleiter, Isolation, Beruehrungsstrom)
  • Funktionspruefung der Sicherheitseinrichtungen
  • Typischer Zeitaufwand: 10-20 Min pro Geraet

Ortsfeste Anlagen (Schaltschrank, Unterverteilung)

  • Vollstaendige Sichtpruefung aller Komponenten
  • Messung aller Stromkreise (Isolation, Schleife, RCD)
  • Dokumentation im Anlagenplan
  • Typischer Zeitaufwand: 1-4 Stunden pro Anlage

Dokumentation: Digital vs. Papier

Papierdokumentation

Vorteile: Einfach, keine Software noetig, bewaehrtes System
Nachteile: Nicht durchsuchbar, keine automatischen Erinnerungen, Platzbedarf, Verlustrisiko, schwer auszuwerten

Digitale Dokumentation

Vorteile:

  • Automatische Fristenueberwachung mit E-Mail-/Push-Erinnerung

  • Dashboard mit Ueberblick ueber Pruefstatus aller Standorte

  • Revisionssichere Archivierung (WORM-Audit-Trail)

  • Sofortiger Nachweis bei Behoerden- oder Versicherungsanfragen

  • Statistiken und Trends (Fehlerquoten, Geraetealter, Kosten)


Was muss dokumentiert werden?

Jedes Pruefprotokoll muss mindestens enthalten:

  • Geraeteidentifikation: Hersteller, Typ, Seriennummer, Inventarnummer
  • Prueferdaten: Name, Qualifikation, Firma
  • Pruefart: Erst-/Wiederholungspruefung, Pruefung nach Instandsetzung
  • Pruefergebnis: Bestanden/Nicht bestanden, Messwerte
  • Festgestellte Maengel: Beschreibung, Bewertung (sofort/kurzfristig/langfristig)
  • Naechster Prueftermin: Datum der naechsten faelligen Pruefung
  • Datum und Unterschrift: Pruefung und Kenntnisnahme

Weiterführende Ressourcen

Fazit

Die Elektropruefung im Unternehmen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Wer die drei Saeulen DGUV V3, BetrSichV und VDE-Normen systematisch umsetzt und digital dokumentiert, ist rechtlich abgesichert und minimiert Ausfallrisiken.

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Häufig gestellte Fragen

Welche Elektropruefungen muss ein Unternehmen durchfuehren?

Ein Unternehmen muss drei Hauptpruefungen durchfuehren: 1) DGUV V3 Pruefung aller elektrischen Betriebsmittel und Anlagen, 2) BetrSichV-Pruefung vor Inbetriebnahme und nach wesentlichen Aenderungen, 3) VDE 0100-600 Erstpruefung neuer Installationen.

Was wird bei einer Elektropruefung konkret gemessen?

Gemessen werden: Schutzleiterwiderstand (max. 0,3 Ohm), Isolationswiderstand (min. 1 MOhm), Beruehrungsstrom (max. 0,5 mA), Schutzleiterstrom, RCD-Ausloesestrom und -zeit. Dazu kommen Sichtpruefung und Funktionstest.

Kann ich die Elektropruefung digital dokumentieren?

Ja, digitale Dokumentation ist sogar empfehlenswert. Sie bietet Vorteile wie automatische Erinnerungen, revisionssichere Archivierung, Auswertung per Dashboard und jederzeitigen Nachweis gegenueber Behoerden oder Versicherungen.

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Christoph Schulz
Gründer & CEO, CERTISCAN