Der Digitale Produktpass (DPP) wird ab 2027 für Batterien, ab 2028 für Textilien und ab 2029 für Baustoffe verpflichtend. Jedes Produkt erhält einen QR-Code mit Lieferketten- und Nachhaltigkeitsdaten. CERTISCAN LkSG als Vorstufe zum DPP.
Der Digitale Produktpass (Digital Product Passport, DPP) ist eines der ambitioniertesten Projekte der EU-Nachhaltigkeitsregulierung. Ab 2027 wird jedes Batterie-Produkt einen maschinenlesbaren QR-Code tragen müssen, der Informationen über Herkunft, Zusammensetzung, CO2-Fußabdruck und Recyclingfähigkeit enthält. Bis 2030 sollen nahezu alle Produktgruppen folgen. CERTISCAN dokumentiert bereits heute Lieferkettendaten im LkSG-Modul – die ideale Vorstufe zum DPP.
01Rechtsgrundlage: Die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR)
Der DPP basiert auf der Verordnung (EU) 2024/1781 zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte – kurz ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation). Sie wurde am 28. Juni 2024 veröffentlicht und trat am 18. Juli 2024 in Kraft.
Die ESPR ersetzt die alte Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG, die sich nur auf energieverbrauchsrelevante Produkte beschränkte. Die neue Verordnung gilt für nahezu alle physischen Waren, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden – mit Ausnahme von Lebensmitteln, Futtermitteln, Arzneimitteln und lebenden Organismen.
Kernelemente der ESPR
Digitaler Produktpass: Pflichtdatensatz für jedes Produkt, maschinenlesbar und öffentlich zugänglich
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Digitale Produktpass (DPP)?
Der Digitale Produktpass (Digital Product Passport) ist ein elektronischer Datensatz, der alle nachhaltigkeitsrelevanten Informationen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus enthält. Er wird über einen QR-Code oder RFID-Chip am Produkt zugänglich und soll Transparenz über Herkunft, Zusammensetzung, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit schaffen.
Ab wann ist der DPP Pflicht?
Der DPP wird gestaffelt eingeführt: Ab Februar 2027 für Batterien (EU-Batterieverordnung 2023/1542), ab 2028 für Textilien und Schuhe, ab 2029 für Baustoffe und weitere Produktgruppen. Die genauen Termine für einzelne Produktgruppen werden durch delegierte Rechtsakte der EU festgelegt.
: Mindeststandards für Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit, Energieeffizienz
Vernichtungsverbot: Unverkaufte Konsumgüter (Textilien, Schuhe) dürfen nicht mehr vernichtet werden
Grüne Beschaffung: Öffentliche Auftraggeber müssen DPP-Kriterien bei der Vergabe berücksichtigen
Marktüberwachung: Verstärkte Kontrollen und digitale Zollsysteme an den EU-Außengrenzen
02Zeitplan: Wann wird der DPP Pflicht?
Die Einführung des DPP erfolgt gestaffelt nach Produktgruppen. Die Termine sind teilweise durch delegierte Rechtsakte der EU-Kommission konkretisiert, teilweise noch in Vorbereitung:
Datum
Produktgruppe
Rechtsgrundlage
Status
02/2027
Industrie-, Traktions- und E-Fahrzeugbatterien
EU-Batterieverordnung 2023/1542
Verbindlich
08/2027
Gerätebatterien und LMT-Batterien
EU-Batterieverordnung 2023/1542
Verbindlich
2028
Textilien und Schuhe
ESPR – delegierter Rechtsakt
In Vorbereitung
2028
Möbel
ESPR – delegierter Rechtsakt
In Vorbereitung
2029
Baustoffe und Bauprodukte
ESPR + Bauproduktenverordnung
In Vorbereitung
2029
Elektronik (Smartphones, Tablets, Laptops)
ESPR – delegierter Rechtsakt
Angekündigt
2030
Chemikalien, Kosmetik, Spielzeug
ESPR – delegierter Rechtsakt
Geplant
2030+
Weitere Produktgruppen (sukzessive Erweiterung)
ESPR – delegierte Rechtsakte
Geplant
Datum
02/2027
Produktgruppe
Industrie-, Traktions- und E-Fahrzeugbatterien
Rechtsgrundlage
EU-Batterieverordnung 2023/1542
Status
Verbindlich
Datum
08/2027
Produktgruppe
Gerätebatterien und LMT-Batterien
Rechtsgrundlage
EU-Batterieverordnung 2023/1542
Status
Verbindlich
Datum
2028
Produktgruppe
Textilien und Schuhe
Rechtsgrundlage
ESPR – delegierter Rechtsakt
Unternehmen sollten sich nicht auf die spätesten Termine verlassen: Große Abnehmer und Handelsunternehmen beginnen bereits jetzt, DPP-ähnliche Datensätze von ihren Lieferanten zu verlangen. Wer frühzeitig vorbereitet ist, hat einen Wettbewerbsvorteil.
03Welche Daten enthält der DPP?
Der Inhalt des DPP variiert je nach Produktgruppe, folgt aber einem einheitlichen Grundschema:
Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan, Graphit – Herkunftsland und Lieferant
Due Diligence
LkSG/LBMA/OECD-konforme Sorgfaltspflichten in der Rohstofflieferkette
Carbon Footprint
CO2-Emissionen pro kWh Speicherkapazität (in Gramm CO2eq/kWh)
Recycling-Anteil
Textilien (ab 2028): Zusätzliche Daten
Faserzusammensetzung (detaillierter als bisherige Textilkennzeichnung – pro Komponente)
Herkunft der Fasern (Land, Farm/Fabrik, Zertifizierung wie GOTS, Fairtrade)
Wasser- und Chemikalieneinsatz in der Produktion (pro kg Fertigware)
Pflegehinweise und erwartete Lebensdauer (Waschzyklen)
Mikrofaser-Emission beim Waschen (mg pro Waschgang)
Soziale Aspekte (Arbeitsbedingungen, Löhne, Arbeitszeiten in der Lieferkette)
Reparierbarkeit und Anleitung für Reparatur
04Technische Umsetzung: Wie funktioniert der DPP?
Datenträger: QR-Code, RFID oder NFC
Jedes Produkt erhält einen maschinenlesbaren Datenträger – in der Regel einen QR-Code (standardisiert als GS1 Digital Link). Alternativ können RFID-Chips (für Industrieanwendungen) oder NFC-Tags (für Konsumprodukte) eingesetzt werden. Der Datenträger muss dauerhaft am Produkt angebracht sein und die Lebensdauer des Produkts überstehen.
Europäische DPP-Datenbank und Architektur
Die EU baut ein dezentrales Register auf, in dem alle DPP-Datensätze verknüpft werden:
Hersteller speichern die Daten in ihrem eigenen System oder bei einem zertifizierten DPP-Dienstleister (Data Service Provider)
Registry der EU-Kommission verknüpft Produkt-IDs mit den Datenspeicherorten (ähnlich wie DNS für das Internet)
Zugriff erfolgt über den QR-Code am Produkt – für Verbraucher (vereinfachte Ansicht), Behörden (vollständige Daten) und Recycler (materialspezifische Daten)
Datenhaltung: Mindestens 10 Jahre nach Inverkehrbringen des letzten Exemplars
Datenstandardisierung
Die EU arbeitet mit internationalen Normungsgremien an einheitlichen Datenstandards:
GS1 Digital Link: Standard für die Produktidentifikation (URL-basiert)
ECLASS: Klassifikation von Produkteigenschaften (international, mehrsprachig)
JSON-LD / Schema.org: Semantische Beschreibung der Daten (maschinenlesbar)
GTIN + Serialnummer: Eindeutige Produktkennung bis auf Einzelstückebene
05DPP und Lieferkettensorgfalt: Die Verbindung zum LkSG
Der DPP und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) bzw. die europäische CSDDD ergänzen sich perfekt:
Aspekt
LkSG / CSDDD
DPP
Fokus
Menschenrechte und Umwelt in der Lieferkette
Produktbezogene Nachhaltigkeitsdaten
Perspektive
Unternehmensbezogen (Sorgfaltspflicht)
Produktbezogen (Transparenz)
Daten
Risikoanalysen, Audits, Beschwerdemechanismen
Unternehmen, die bereits heute ihre Lieferkettendaten in CERTISCAN im LkSG-Modul dokumentieren, schaffen damit die Datenbasis für den zukünftigen DPP. Die Rohstoff-Herkunftsdaten, Due-Diligence-Berichte und Risikobewertungen aus dem LkSG-Modul können direkt in den DPP übernommen werden.
06Was müssen Unternehmen jetzt tun?
Hersteller und Inverkehrbringer
Betroffenheits-Check: Fallen Ihre Produkte in eine der ersten DPP-Produktgruppen (Batterien, Textilien, Baustoffe)?
Daten-Audit: Welche der erforderlichen Daten liegen bereits vor (ERP, PLM, Qualitätsmanagement), welche fehlen?
Lieferketten-Mapping: Können Sie die Herkunft aller Rohstoffe bis zur Quelle (Tier-n) nachvollziehen?
CO2-Bilanzierung: Können Sie den Product Carbon Footprint nach ISO 14067 berechnen?
IT-Infrastruktur: Haben Sie Systeme für die Datenspeicherung, QR-Code-Verwaltung und Schnittstelle zur EU-Registry?
Händler und Importeure
Lieferanteninformation: Stellen Ihre Lieferanten die DPP-Daten vollständig und rechtzeitig bereit?
Wareneingangsprüfung: Ist der DPP (QR-Code) am Produkt vorhanden und funktionsfähig?
Zugänglichkeit: Können Kunden den DPP im Geschäft (per Smartphone-Scan) und online abrufen?
Haftung: Als Importeur sind Sie für die Richtigkeit der DPP-Daten mitverantwortlich
07CERTISCAN als DPP-Vorstufe
CERTISCAN bietet bereits heute wesentliche DPP-Bausteine:
Der DPP enthält je nach Produktgruppe: Materialzusammensetzung, CO2-Fußabdruck, Herkunft der Rohstoffe, Recycling-Anteil, Reparierbarkeits-Score, Energieeffizienz, Lieferkettendaten, Konformitätserklärungen und Entsorgungshinweise. Für Batterien zusätzlich: Kapazität, Ladezyklen, Rohstoff-Herkunft (Lithium, Kobalt).
Wer muss den DPP erstellen?
Der Hersteller bzw. Inverkehrbringer ist für die Erstellung des DPP verantwortlich. Bei Importwaren liegt die Pflicht beim Importeur. Händler müssen sicherstellen, dass der DPP vorhanden und zugänglich ist. Die Daten müssen in einem standardisierten Format in der europäischen DPP-Datenbank hinterlegt werden.
Wie hängt der DPP mit dem LkSG zusammen?
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und der DPP ergänzen sich: Das LkSG verlangt Due Diligence in der Lieferkette, der DPP macht die Ergebnisse produktbezogen transparent. Unternehmen, die bereits LkSG-Daten in CERTISCAN dokumentieren, haben eine ideale Ausgangsbasis für den DPP.
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DPP und Lieferkettensorgfalt: Die Verbindung zum LkSG