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Kita-Reinigung: Hygieneplan & Anforderungen

Christoph Schulz5. Oktober 20266 Min. Lesezeit
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Kita-Reinigung: Hygieneplan & Anforderungen

Kindertagesstätten sind nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) verpflichtet, einen umfassenden Hygieneplan zu erstellen und konsequent umzusetzen. Die besondere Herausforderung: Kinder haben ein noch nicht vollständig entwickeltes Immunsystem und bringen Infektionskrankheiten schneller in Umlauf als Erwachsene. In einer durchschnittlichen Kita-Gruppe mit 25 Kindern erkranken jährlich 8-12 Kinder an meldepflichtigen Infektionskrankheiten. CERTISCAN dokumentiert die Kita-Reinigung lückenlos – vom täglichen Reinigungsnachweis bis zum Desinfektionsprotokoll – und schafft damit Transparenz für Träger, Eltern und Gesundheitsämter.

Gesetzliche Grundlagen: §36 IfSG

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) bildet die zentrale Rechtsgrundlage für die Hygiene in Kindertagesstätten. §36 Abs. 1 IfSG verpflichtet Gemeinschaftseinrichtungen – darunter Kitas, Kindergärten, Horte und Kinderkrippen – zur Erstellung eines innerbetrieblichen Hygieneplans.

Der Hygieneplan muss folgende Bereiche abdecken:

  • Händehygiene: Wann und wie Hände gewaschen und desinfiziert werden (für Personal und Kinder)
  • Flächenreinigung und -desinfektion: Reinigungspläne für alle Räume mit Frequenzen und Methoden
  • Lebensmittelhygiene: Umgang mit Mahlzeiten und Getränken, HACCP-Konzept für die Küche
  • Wäschehygiene: Umgang mit Textilien, Schlafzeug, Handtüchern, Lätzchen
  • Abfallentsorgung: Insbesondere Windeln, kontaminierte Materialien, Lebensmittelreste
  • Meldepflichten: Verfahren bei meldepflichtigen Erkrankungen nach §34 IfSG
  • Schädlingsbekämpfung: Vorbeugende Maßnahmen und Bekämpfung (Kopfläuse!)
  • Trinkwasserhygiene: Beprobung, Legionellen-Prävention
Das Gesundheitsamt kontrolliert die Einhaltung regelmäßig. Bei Mängeln drohen Auflagen, Bußgelder oder im Extremfall die vorübergehende Schließung der Einrichtung.

Der Rahmenhygieneplan als Vorlage

Die Bundesländer haben jeweils eigene Rahmenhygienepläne für Kindertagesstätten herausgegeben, die als Vorlage für den einrichtungsspezifischen Plan dienen. Der bekannteste ist der Rahmenhygieneplan des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung NRW, der auch bundesweit als Orientierung genutzt wird.

Mindestinhalte des Kita-Hygieneplans

  • Verantwortlichkeiten: Wer ist für die Umsetzung zuständig (Leitung, Reinigungskraft, Erzieher, Hygienebeauftragter)?
  • Reinigungspläne: Raumspezifische Frequenzen und Methoden, dokumentiert als Tabelle
  • Desinfektionspläne: Wann, womit, wie lange (Einwirkzeit) – pro Raumtyp
  • Händehygieneplan: Anleitung für Personal und Kinder (altersgerechte Anleitung)
  • Küchenhygieneplan: HACCP-konforme Lebensmittelhygiene, Kühlketten-Überwachung
  • Trinkwasserhygiene: Legionellen-Prüfung (alle 3 Jahre bei Großanlagen), Wasserspender-Wartung
  • Schädlingsmonitoring: Regelmäßige Kontrolle, Maßnahmenplan bei Befall
  • Ausbruchmanagement: Verfahren bei §34-Meldungen mit Eskalationsstufen
Der Hygieneplan muss jährlich überprüft und bei Bedarf aktualisiert werden. Jede Aktualisierung muss datiert und vom Verantwortlichen unterschrieben werden.

Reinigungsfrequenzen nach Raumtyp

Die folgenden Frequenzen orientieren sich am Rahmenhygieneplan und den RKI-Empfehlungen:

BereichReinigungDesinfektionBesonderheiten
GruppenräumeTäglich (Boden + Oberflächen)Bei Bedarf (Kontamination)Spielflächen feucht wischen, Stühle abwischen
Sanitärräume2x täglich (morgens + nachmittags)Täglich (WC, Wickeltisch, Waschbecken)VAH/RKI-gelistetes Mittel verwenden
WickelbereichNach jeder NutzungNach jeder NutzungEinmalunterlage + Flächendesinfektion
KücheNach jeder MahlzeitTäglich (Arbeitsflächen, Schneidebretter)HACCP-Dokumentation, Temperaturkontrolle
Schlafräume2-3x/WocheBei BedarfBettwäsche wöchentlich wechseln, täglich lüften
Flure/TreppenTäglichBei BedarfRutschsicherheit nach DIN 51130 prüfen
AußenbereichWöchentlich (Kehren, Aufräumen)Sandkasten abdecken, Tierkot sofort entfernen
TurnraumTäglich (Boden)Geräte wöchentlichMatten nach jeder Nutzung reinigen und trocknen
Personalraum3x/WocheBei BedarfKühlschrank wöchentlich reinigen

Spielzeugreinigung: Ein oft unterschätztes Thema

Spielzeug ist einer der häufigsten Übertragungswege für Infektionskrankheiten in der Kita. Kinder nehmen Spielzeug in den Mund, niesen darauf und teilen es mit anderen Kindern. Die Reinigung muss nach Art des Spielzeugs differenziert erfolgen:

Abwaschbare Spielzeuge (Plastik, Holz lackiert, Metall)

  • Frequenz: Wöchentlich, bei sichtbarer Verschmutzung sofort
  • Methode: Warmes Wasser (mindestens 50°C) mit mildem Reinigungsmittel, gründlich abspülen
  • Trocknung: Vollständig trocknen lassen (Feuchtigkeit fördert Keimwachstum)
  • Bei Krankheitsausbruch: Desinfektion mit viruzid-wirkendem Mittel (RKI-Liste, begrenzt viruzid PLUS)
  • Holzspielzeug unlackiert: Nicht in Wasser einweichen, nur feucht abwischen, bei 60°C im Backofen desinfizieren (30 Minuten)

Stofftiere und Textilspielzeug

  • Frequenz: Monatlich, bei Verschmutzung sofort
  • Methode: Waschmaschine bei mindestens 60°C (nur Spielzeug ohne Elektronik)
  • Alternative für empfindliche Stücke: Tiefkühler (-18°C für 48 Stunden) gegen Milben und Bakterien
  • Bei Krankheitsausbruch: Aus dem Verkehr ziehen, waschen oder bei schwerem Befall entsorgen
  • Tipp: Stofftiere mit „Waschzettel" versehen (Washable Plush Toys)

Wasserspielzeug

  • Frequenz: Nach jeder Nutzung trocknen lassen
  • Methode: Wöchentlich mit verdünntem Essigwasser (1:10) reinigen, gründlich trocknen
  • Achtung: Hohlkörper (Quietscheenten, Spritzfiguren) sind Keimschleudern – schimmeln innen. Regelmäßig aufschneiden und prüfen, bei Schimmel sofort entsorgen und ersetzen

Sandspielzeug (Eimer, Schaufel, Förmchen)

  • Frequenz: Wöchentlich abspülen
  • Methode: Mit Wasser abspülen, in der Sonne trocknen lassen (UV-Desinfektion)
  • Sandkasten: Regelmäßig rechen und harken, nach Tierkot absuchen, abdecken (Plane oder Netz), Sand alle 1-2 Jahre komplett tauschen, bei Verunreinigung sofort

Desinfektionsmittel: Die RKI-Liste

In Gemeinschaftseinrichtungen dürfen nur Desinfektionsmittel verwendet werden, die vom Robert Koch-Institut (RKI) gelistet sind. Die RKI-Desinfektionsmittelliste unterscheidet verschiedene Wirkungsbereiche:

WirkungsbereichAbkürzungWirksam gegenEinsatz in Kita
Bereich AbakterizidBakterien (inkl. Mykobakterien)Standard-Flächendesinfektion
Bereich BviruzidBehüllte und unbehüllte VirenNorovirus-Ausbruch, Rotavirus
Bereich ABbakterizid + viruzidBakterien und VirenEmpfohlen für Kita-Sanitär
Begrenzt viruzidNur behüllte Viren (Influenza, Corona)Grippewelle
Begrenzt viruzid PLUS+ Noroviren, Rotaviren, AdenovirenStandard-Empfehlung für Kitas
Wichtig: Die Einwirkzeiten müssen strikt eingehalten werden. Ein Desinfektionsmittel, das 5 Minuten einwirken muss, aber nach 2 Minuten abgewischt wird, ist wirkungslos. CERTISCAN dokumentiert den Reinigungsprozess mit Zeitstempeln und stellt so sicher, dass Einwirkzeiten nachweisbar eingehalten werden.

Beim Einsatz von Desinfektionsmitteln in Kitas gelten zusätzliche Regeln: Kinder dürfen nicht auf frisch desinfizierten Flächen spielen. Die Desinfektion sollte daher nach Betriebsschluss oder in den Randzeiten erfolgen. Rückstände müssen nach der Einwirkzeit abgewischt werden, um Hautkontakt der Kinder zu vermeiden.

Meldepflichten nach §34 IfSG

Bei bestimmten Erkrankungen besteht in Kitas eine Meldepflicht an das Gesundheitsamt. Die Kita-Leitung muss unverzüglich melden:

  • Verdacht oder Erkrankung: Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten, Windpocken, Scharlach, Meningitis, Hepatitis A, Norovirus, Rotavirus, Tuberkulose, Salmonellose, EHEC, Impetigo contagiosa
  • Läusebefall: Kopfläuse (häufigster Meldegrund in Kitas – 10-15 % aller Kita-Kinder pro Jahr)
  • Krätze (Skabies): Zunehmend häufig, hochansteckend durch engen Körperkontakt
  • COVID-19: Nach aktuellem Landesrecht (Regelungen können variieren)
Bei einer Meldung nach §34 muss der Hygieneplan sofort in den Ausbruchmodus wechseln: Erhöhte Reinigungs- und Desinfektionsfrequenz, betroffene Bereiche sperren und intensiv desinfizieren, betroffene Kinder ausschließen bis zur Gesundschreibung durch den Kinderarzt.

CERTISCAN für die Kita-Hygiene

CERTISCAN macht die Kita-Hygiene transparent, nachvollziehbar und revisionssicher:

AnforderungPapier-LösungCERTISCAN
ReinigungsnachweisUnterschriftenliste an der WandQR-Code-Scan mit Zeitstempel
DesinfektionsprotokollHandschriftlich im OrdnerDigitales Protokoll mit Einwirkzeit
Hygieneplan-AktualisierungOrdner im Büro der LeitungVersioniertes Dokument im Dashboard
Spielzeug-ReinigungErinnerungszettel an der PinnwandAutomatische Erinnerung per E-Mail
§34-MeldungFax/Telefon an GesundheitsamtDokumentation im WORM-Audit-Trail
Gesundheitsamt-BegehungOrdner heraussuchen, hoffenPDF-Export aller Nachweise in 30 Sekunden
Eltern-TransparenzAushang im FlurDigitaler Hygiene-Report
Für jeden Raum der Kita wird ein QR-Code angebracht. Die Reinigungskraft scannt den Code, bestätigt die Reinigung und dokumentiert optional die Desinfektionsmaßnahmen. Der Träger und die Kita-Leitung sehen in Echtzeit, welche Räume gereinigt wurden – und welche noch ausstehen.

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Häufig gestellte Fragen

Ist ein Hygieneplan in der Kita Pflicht?

Ja. Nach §36 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind Kindertagesstätten verpflichtet, einen Hygieneplan zu erstellen und einzuhalten. Der Hygieneplan muss die innerbetrieblichen Verfahrensweisen zur Infektionshygiene festlegen und wird vom Gesundheitsamt überprüft.

Wie oft müssen Kita-Räume gereinigt werden?

Gruppenräume und Flure müssen täglich gereinigt werden, Sanitärräume mindestens zweimal täglich. Küchen werden nach jeder Mahlzeit gereinigt. Schlafräume werden täglich gelüftet und 2-3x pro Woche gereinigt. Bei Ausbrüchen meldepflichtiger Erkrankungen erhöht sich die Frequenz.

Wie werden Spielzeuge in der Kita gereinigt?

Abwaschbare Spielzeuge werden wöchentlich mit warmem Wasser und mildem Reinigungsmittel gereinigt. Stofftiere werden monatlich bei 60°C gewaschen. Bei Krankheitsausbrüchen erfolgt eine sofortige Desinfektion aller kontaminierten Spielzeuge mit einem Mittel aus der RKI-Desinfektionsmittelliste.

Welche Desinfektionsmittel dürfen in Kitas verwendet werden?

In Kitas dürfen nur Desinfektionsmittel verwendet werden, die in der RKI-Desinfektionsmittelliste (Bereich A: bakterizid, Bereich B: viruzid) aufgeführt sind. Chlorhaltige Mittel sind für Oberflächen geeignet, alkoholbasierte Mittel für Hände. Bei der Anwendung müssen die Einwirkzeiten strikt eingehalten werden.

Wer kontrolliert die Hygiene in Kitas?

Das zuständige Gesundheitsamt führt in der Regel alle 1-2 Jahre eine anlassunabhängige Hygienebegehung durch. Zusätzlich erfolgen anlassbezogene Kontrollen bei Meldungen nach §34 IfSG (z.B. bei Masern, Norovirus, Keuchhusten). Bei Mängeln drohen Auflagen bis hin zur Schließung.

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CS
Christoph Schulz
Gründer & CEO, CERTISCAN