Eine harmonisierte Norm ist eine europäische Norm, die auf Auftrag der EU-Kommission erstellt und deren Fundstelle im Amtsblatt veröffentlicht wurde. Ihre Anwendung begründet eine Konformitätsvermutung.
Harmonisierte Normen sind das Bindeglied zwischen abstraktem EU-Recht und konkreter Technik. Der Rechtsakt sagt, WAS erreicht werden muss; die Norm sagt, WIE.
Nach Artikel 41 ESPR wird bei Anwendung harmonisierter Normen, deren Fundstellen im Amtsblatt der EU veröffentlicht wurden, davon ausgegangen, dass die entsprechenden Anforderungen erfüllt sind — soweit sie von den Normen abgedeckt werden. Die Beweislast dreht sich damit zugunsten des Herstellers.
Die Anwendung ist freiwillig. Wer abweicht, muss die Konformität aber auf anderem Weg nachweisen — was aufwendiger ist. Fehlen harmonisierte Normen, kann die Kommission nach Artikel 42 ESPR ausnahmsweise gemeinsame Spezifikationen per Durchführungsrechtsakt erlassen, die denselben Vermutungseffekt haben.
Zuständig ist das gemeinsame Technische Komitee CEN-CLC/JTC 24 „Digital Product Passport: Framework and System". Es hat eine Familie horizontaler Normen erarbeitet — unter anderem EN 18216 (Datenaustauschprotokolle), EN 18219 (eindeutige Kennungen), EN 18220 (Datenträger), EN 18221 (Datenspeicherung und -persistenz), EN 18222 (APIs) und EN 18223 (Systeminteroperabilität). Diese Normen beschreiben, WIE ein Produktpass funktioniert — nicht, welche Daten ein einzelnes Produkt tragen muss. Das bleibt Sache der delegierten Rechtsakte.
Welche Standards rund um den Produktpass zusammenspielen und welche nur so klingen, zeigt der Überblick zum Digitalen Produktpass.
Rechtsquelle: VO (EU) 2024/1781 Art. 41, Art. 42; CEN-CLC/JTC 24 (EN 18216 ff.) · Stand: 2026
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