Die Reinigung in Krankenhäusern und Kliniken unterliegt strengen Hygienevorschriften des Robert Koch-Instituts (RKI) und der KRINKO. Desinfektionspläne, Flächendesinfektion, Risikoklassen und Dokumentationspflichten. CERTISCAN dokumentiert jede Reinigung mit Foto und CleanScore.
Nosokomiale Infektionen (Krankenhausinfektionen) betreffen in Deutschland jährlich ca. 400.000-600.000 Patienten. Davon sind schätzungsweise 10.000-20.000 Todesfälle auf Infektionen zurückzuführen, die im Krankenhaus erworben wurden. Die professionelle Reinigung und Flächendesinfektion ist eine der wirksamsten Maßnahmen zur Prävention. CERTISCAN dokumentiert jede Reinigung mit Zeitstempel, Foto und CleanScore – und schafft damit die lückenlose Nachweiskette, die Krankenhäuser im Ernstfall brauchen.
01Rechtsrahmen: RKI, KRINKO und IfSG
Die Krankenhaushygiene in Deutschland wird durch ein Zusammenspiel von Bundesgesetzen, Landesverordnungen und Fachempfehlungen geregelt:
Hierarchie der Regelwerke
Ebene
Regelwerk
Verbindlichkeit
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Hygienevorschriften gelten für Krankenhausreinigung?
Die wichtigsten Regelwerke sind: RKI-Richtlinie zur Krankenhaushygiene (KRINKO-Empfehlungen), IfSG §36 (Hygieneplan-Pflicht), DIN 10516 (Lebensmittelhygiene in Küchen), Landesgesetze (Krankenhaushygieneverordnungen). Die KRINKO-Empfehlungen sind rechtlich nicht bindend, gelten aber als Stand der medizinischen Wissenschaft und sind de facto verbindlich.
Was ist der Unterschied zwischen Reinigung und Desinfektion?
Reinigung entfernt sichtbaren Schmutz mechanisch-chemisch (Keimreduktion ca. 50-80 %). Desinfektion tötet oder inaktiviert Krankheitserreger gezielt ab (Keimreduktion ca. 99,99 %). Im Krankenhaus wird die desinfizierende Reinigung (Kombination aus beidem in einem Arbeitsgang) als Standard eingesetzt.
Das Infektionsschutzgesetz verpflichtet Krankenhäuser in §36 zur Erstellung eines Hygieneplans. Dieser muss mindestens enthalten:
Reinigungsplan mit Frequenzen und Verantwortlichkeiten
Desinfektionsplan mit Mitteln, Konzentrationen und Einwirkzeiten
Personalschutzmaßnahmen (PSA, Impfungen)
Schulungsplan für Reinigungspersonal
Kontrollverfahren und Dokumentation
Maßnahmenplan bei Ausbrüchen (MRSA, VRE, Norovirus)
02Risikoklassen nach KRINKO
Die KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) teilt Krankenhausbereiche in Risikoklassen ein:
Risikoklasse
Bereiche
Reinigung
Desinfektion
Frequenz
A (gering)
Verwaltung, Technik, Lager
Unterhaltsreinigung
Nein (außer bei Kontamination)
1×/Tag
B (mittel)
Patientenzimmer (Normal), Ambulanz, Flure
Desinfizierende Reinigung
Ja (patientennahe Flächen)
1×/Tag + bei Bedarf
C (hoch)
Intensivstation, Dialyse, Isolierstation
Desinfizierende Reinigung
Ja (alle Flächen)
2×/Tag + bei Bedarf
D (sehr hoch)
OP-Saal, Laminar-Flow-OP, Transplantation
Desinfizierende Reinigung
Ja (alle Flächen, inkl. Wände)
Nach jeder OP + Schlussdesinfektion
Risikoklasse
A (gering)
Bereiche
Verwaltung, Technik, Lager
Reinigung
Unterhaltsreinigung
Desinfektion
Nein (außer bei Kontamination)
Frequenz
1×/Tag
Risikoklasse
B (mittel)
Bereiche
Patientenzimmer (Normal), Ambulanz, Flure
Reinigung
Desinfizierende Reinigung
Desinfektion
Ja (patientennahe Flächen)
Frequenz
1×/Tag + bei Bedarf
Risikoklasse
C (hoch)
Patientennahe Flächen (Handkontaktflächen)
Patientennahe Flächen haben die höchste Priorität bei der Desinfektion:
Bettgitter und Bettrrahmen
Nachttisch und Essenstablett
Rufklingel und Fernbedienung
Lichtschalter und Türklinken
Infusionsständer und Monitoroberflächen
Toilettensitz und Haltegriffe im Bad
Diese Flächen müssen in Risikoklasse B mindestens 1× täglich, in Risikoklasse C mindestens 2× täglich desinfizierend gereinigt werden.
03Desinfizierende Reinigung: So wird es richtig gemacht
Reinigung vs. Desinfektion vs. desinfizierende Reinigung
Verfahren
Keimreduktion
Wirkprinzip
Anwendung
Reinigung
50-80 %
Mechanisch-chemisch (Schmutz entfernen)
Risikoklasse A
Desinfektion
99,99 %
Chemisch (Keime abtöten)
Isolierstation, OP
Desinfizierende Reinigung
99,9 %
Kombination in einem Arbeitsgang
Standard Risikoklasse B-D
Sterilisation
100 %
Physikalisch (Dampf, Strahlung)
Instrumente, OP-Besteck
Verfahren
Reinigung
Keimreduktion
50-80 %
Wirkprinzip
Mechanisch-chemisch (Schmutz entfernen)
Anwendung
Risikoklasse A
Verfahren
Desinfektion
Keimreduktion
99,99 %
Wirkprinzip
Chemisch (Keime abtöten)
Anwendung
Isolierstation, OP
Verfahren
Desinfizierende Reinigung
Keimreduktion
99,9 %
Wirkprinzip
Kombination in einem Arbeitsgang
Desinfektionsmittel-Auswahl
Die Auswahl des richtigen Desinfektionsmittels hängt vom Wirkungsspektrum ab:
Wirkungsbereich
Bezeichnung
Typische Wirkstoffe
Einsatz
Bakterizid
Tötet Bakterien (auch MRSA)
Quaternäre Ammoniumverbindungen
Standard-Flächendesinfektion
Levurozid
Tötet Hefen (Candida)
QAV + Alkohol
Pilzinfektionen
Wichtig: Im Normalfall genügt ein Mittel mit dem Wirkungsspektrum bakterizid + levurozid + begrenzt viruzid. Bei Ausbrüchen muss das Spektrum angepasst werden (z. B. viruzid bei Norovirus, sporizid bei C. difficile).
Konzentration und Einwirkzeit
Anwendung
Konzentration (typisch)
Einwirkzeit
Hinweis
Routinedesinfektion (Flächen)
0,5 %
5-15 Min.
Laut VAH-Liste
Gezielte Desinfektion (Kontamination)
1,0-2,0 %
15-60 Min.
Je nach Wirkungsspektrum
04Desinfektionsplan erstellen
Ein Desinfektionsplan muss für jeden Bereich spezifisch erstellt und sichtbar ausgehängt werden:
Muster-Desinfektionsplan Patientenzimmer (Risikoklasse B)
Was?
Womit?
Wann?
Wie?
Wer?
Fußboden
Produkt X, 0,5 %, 5 Min. EWZ
1×/Tag
Wischdesinfektion, Bezugswechselmethode
Reinigungskraft
Handkontaktflächen
Produkt X, 0,5 %, 5 Min. EWZ
05Schulung des Reinigungspersonals
Pflichtschulungen nach KRINKO
Schulung
Inhalt
Frequenz
Dokumentation
Grundschulung Hygiene
Händehygiene, Schutzkleidung, Desinfektionsplan
Vor Arbeitsbeginn
Unterschriebene Teilnahmeliste
Produktschulung
Korrekte Dosierung, Einwirkzeit, Gefahrstoffe
Bei Produktwechsel
Schulungsnachweis
Sprachliche Herausforderung
In der Krankenhausreinigung arbeiten häufig Mitarbeiter mit unterschiedlichen Sprachhintergründen. Schulungsunterlagen müssen verständlich sein. CERTISCAN bietet die App-Oberfläche und Schulungsinhalte in 12 Sprachen an – darunter Arabisch, Türkisch, Polnisch und Rumänisch.
06Dokumentationspflichten
Die lückenlose Dokumentation ist im Krankenhaus nicht optional, sondern haftungsrelevant. Bei einem Ausbruch nosokomialer Infektionen wird geprüft, ob die Reinigung ordnungsgemäß durchgeführt und dokumentiert wurde.
Was dokumentiert werden muss
Dokument
Inhalt
Aufbewahrungsfrist
Reinigungsprotokoll
Datum, Uhrzeit, Raum, Reinigungskraft
3-5 Jahre
Desinfektionsmittel-Verbrauch
Menge, Charge, Verfallsdatum
5 Jahre
Schulungsnachweise
Datum, Teilnehmer, Inhalt, Trainer
5 Jahre
CERTISCAN für die Krankenhaus-Dokumentation
CERTISCAN erfüllt die Dokumentationsanforderungen im Krankenhaus:
QR-Code pro Raum: Jeder Raum erhält einen QR-Code, der beim Scannen automatisch Datum, Uhrzeit und Reinigungskraft protokolliert
Foto-Dokumentation: Vor- und Nachher-Fotos mit Zeitstempel und GPS-Koordinaten
Audit-Trail: Revisionssicherer WORM-Audit-Trail – keine nachträgliche Manipulation möglich
Evidence Pack: Kompletter Reinigungsnachweis als PDF für Hygienebeauftragte und Auftraggeber
Echtzeit-Dashboard: Hygienebeauftragte sehen den Reinigungsstatus aller Stationen in Echtzeit
07Vergleich: Dokumentationsmethoden
Methode
Manipulationssicher
Echtzeit
Foto
KI-Score
Kosten
Papier-Protokoll
Nein
Nein
Nein
Nein
Gering
Excel-Liste
08Nosokomiale Infektionen vermeiden: Der Beitrag der Reinigung
Die professionelle Reinigung kann nosokomiale Infektionen signifikant reduzieren:
Maßnahme
Reduktion nosokomialer Infektionen
Quelle
Desinfizierende Reinigung (Standard)
Baseline
–
UV-C-Desinfektion zusätzlich
-30 %
Duke University Study, 2017
Fluoreszenz-Marker-Kontrolle
-27 %
Goodman et al., 2008
09Fazit: Hygiene ist Patientensicherheit
Die Reinigung im Krankenhaus ist kein Service, sondern ein elementarer Bestandteil der Patientensicherheit. Lückenlose Dokumentation schützt nicht nur Patienten, sondern auch das Reinigungsunternehmen und das Krankenhaus im Haftungsfall. CERTISCAN bietet die technische Grundlage für eine revisionssichere, KI-gestützte Dokumentation, die den Anforderungen von RKI, KRINKO und IfSG gerecht wird.
Welche Desinfektionsmittel dürfen verwendet werden?
Im Krankenhaus dürfen nur Desinfektionsmittel verwendet werden, die in der VAH-Liste (Verbund für Angewandte Hygiene) oder der RKI-Liste gelistet sind. Die VAH-Liste deckt den Normalfall ab, die RKI-Liste gilt bei behördlich angeordneter Desinfektion (Seuchenfall). Produkte müssen für den jeweiligen Anwendungsbereich geprüft sein.
Wie oft muss im Krankenhaus gereinigt werden?
Die Frequenz hängt von der Risikoklasse ab: OP-Säle nach jeder Operation plus tägliche Schlussdesinfektion. Intensivstationen mindestens 2× täglich. Patientenzimmer mindestens 1× täglich plus bei Bedarf. Flure und Eingangsbereiche 1-2× täglich. Verwaltung 1× täglich (wie Büro).
Welche Dokumentationspflichten gibt es?
Krankenhäuser müssen einen Hygieneplan nach §36 IfSG führen. Darin müssen Reinigungsfrequenzen, eingesetzte Desinfektionsmittel und -konzentrationen, Einwirkzeiten, Schulungsnachweise und Kontrollergebnisse dokumentiert sein. Bei Ausbruchsgeschehen müssen Reinigungsprotokolle lückenlos nachweisbar sein.