Zu billig angeboten — warum bei Reinigungsaufträgen die Marge verschwindet
Wer „30 Prozent Aufschlag" rechnet und „30 Prozent Marge" meint, verschenkt Geld: Aufschlag und Marge sind nicht dasselbe. 30 Prozent Aufschlag ergeben nur rund 23 Prozent Marge. Ein sauberer Preis-Modus, der zwischen Aufschlag und Marge unterscheidet, verhindert, dass ein Auftrag ohne Gewinn im Kalender landet.
CSChristoph Schulz4 Min. LesezeitAktualisiert: 18. Juli 2026
Der häufigste Kalkulationsfehler in der Reinigung ist eine Verwechslung: Aufschlag ist nicht Marge. Wer auf seine Kosten 30 Prozent aufschlägt, hat am Ende keine 30 Prozent Gewinn, sondern nur rund 23 Prozent. Über viele Objekte summiert sich diese Lücke zu einem vierstelligen Betrag pro Monat. Ein Preis-Modus, der Aufschlag und Marge sauber trennt, macht aus dem Bauchgefühl eine belastbare Zahl.
Stand: Juli 2026 · Aktualisiert am 18.07.2026
30 % Aufschlag = 23 % Marge
Aufschlag und Marge sind rechnerisch nicht dasselbe
Ein Reinigungsangebot entsteht oft im Kopf: Kosten schätzen, „ordentlich was draufpacken", fertig. Genau hier steckt der Denkfehler. „Ich rechne 30 Prozent drauf" klingt nach 30 Prozent Gewinn — ist es aber nicht. Ein Aufschlag bezieht sich auf die Kosten
Keine Rechtsberatung – Angaben ohne Gewähr. Beträge, Fristen und Schwellen können sich ändern; im Zweifel Fachperson hinzuziehen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Aufschlag und Marge?
Der Aufschlag bezieht sich auf die Kosten, die Marge auf den Verkaufspreis. 30 Prozent Aufschlag auf 100 Euro Kosten ergeben 130 Euro Preis — der Gewinn von 30 Euro sind aber nur 23 Prozent des Preises. Für eine echte 30-Prozent-Marge musst du rund 43 Prozent aufschlagen.
Warum ist diese Verwechslung in der Reinigung so gefährlich?
Weil die Marge ohnehin dünn ist. Der tarifliche Stundenlohn ist eine harte Untergrenze, die du nicht unterschreiten darfst. Verschenkst du zusätzlich Marge durch einen zu kleinen Aufschlag, arbeitest du schnell an der Nulllinie oder darunter — bei einem Vertrag, der Jahre läuft.
Kann ich zwischen Aufschlag- und Margen-Denken wechseln?
Ja. Der Preis-Modus lässt sich pro Kalkulation umschalten. Du kannst in Aufschlägen denken und die resultierende Marge kontrollieren — oder eine Zielmarge vorgeben und dir den nötigen Preis ausrechnen lassen. Beide Wege führen zur selben, sauberen Zahl.
Was passiert, wenn ich eine Kostenposition vergesse?
Dann ist dein Selbstkostenpreis zu niedrig und die Marge verschwindet unbemerkt. Deshalb rechnet das Modul strukturiert mit Fläche, Leistungsgrad, Verrechnungssatz und Zuschlägen — und die spätere SOLL/IST-Nachkalkulation deckt auf, wo die Realität von der Planung abweicht.
Warum kann ich einen zu niedrigen Preis später kaum erhöhen?
Ein niedriger Einstiegspreis setzt den Anker beim Kunden. Jede spätere Erhöhung wirkt wie eine Verteuerung und trifft auf Widerstand, selbst wenn sie nur die Kostensteigerung abbildet. Deshalb ist es wirtschaftlich sicherer, von Anfang an mit der richtigen Marge zu kalkulieren.
Hilft mir die Kalkulation auch, mein Angebot zu belegen?
Ja. Aus der Kalkulation entsteht ein Angebots-PDF mit nachvollziehbaren Positionen. Das wirkt gegenüber dem Auftraggeber professioneller als eine Pauschalsumme und gibt dir zugleich die Grundlage, deinen Preis sachlich zu begründen.
*Dieser Beitrag stellt allgemeine Informationen bereit und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.*
. Beispiel: 100 Euro Kosten plus 30 Prozent Aufschlag ergeben 130 Euro Angebotspreis. Der Gewinn von 30 Euro ist aber nur 23 Prozent von 130 Euro. Wer wirklich 30 Prozent Marge will, muss 142,86 Euro verlangen — also fast 43 Prozent aufschlagen.
In der Reinigung ist dieser Fehler besonders teuer, weil die Kalkulation dünn ist: Der tarifliche Stundenlohn nach dem Rahmentarifvertrag Gebäudereinigung bildet eine harte Kostenuntergrenze, dazu kommen Lohnnebenkosten, Material, Anfahrt und Verwaltung. Wer die Marge mit dem Aufschlag verwechselt, unterbietet sich selbst — und merkt es erst, wenn das Objekt im Controlling rot leuchtet.
02Was es kostet, wenn du nichts tust
Die Lücke zwischen Aufschlag und Marge ist kein Rundungsfehler, sondern echtes Geld:
Kalkulation
Was du denkst
Was tatsächlich herauskommt
Kosten 100 € + 30 % Aufschlag
„30 % Gewinn"
130 € Preis → 23,1 % Marge
Ziel 30 % Marge
„30 % aufschlagen reicht"
nötig sind 42,9 % Aufschlag / 142,86 €
Kosten falsch geschätzt
„grob passt schon"
jede vergessene Position frisst die Marge
Objekt über Jahre
„läuft doch"
dauerhaft quersubventioniert
Der eigentliche Schaden entsteht über die Laufzeit. Ein zu knapp kalkulierter Reinigungsvertrag läuft oft Jahre — und jeden Monat fehlt der Deckungsbeitrag, den du am Anfang verschenkt hast. Ein zu niedriger Preis lässt sich später zudem kaum erhöhen, ohne den Kunden zu verlieren.
<!-- Quellen: kaufmännische Definitionen Aufschlagskalkulation vs. Handelsspanne/Marge (Preis = Kosten × (1 + Aufschlagssatz) bzw. Preis = Kosten / (1 − Margensatz)); Rahmentarifvertrag Gebäudereinigung als tarifliche Lohnkostenuntergrenze (allgemeinverbindlich, Innen-/Unterhaltsreinigung); Kalkulationsgrundlage Fläche × Leistungswert × Verrechnungssatz zzgl. Zuschläge. Konkrete Tarifsätze abhängig von Lohngruppe/Jahr — im Einzelfall prüfen. · Stand: 2026-07-18 -->
03Die Lösung
Das CERTISCAN-Modul Kalkulation & Angebote trennt genau das, was im Kopf durcheinandergerät. Der flexible Preis-Modus ist die Kern-Invariante des Moduls: Du wählst pro Kalkulation zwischen Aufschlag (Preis = Kosten × (1 + Rate)) und Marge (Preis = Kosten / (1 − Rate)) — und kannst jederzeit umschalten. Willst du eine echte Zielmarge, rechnet das System den korrekten Preis; denkst du in Aufschlägen, siehst du sofort die tatsächlich resultierende Marge. Der Denkfehler wird damit unmöglich.
Darunter arbeitet eine vollständige Kalkulation: Fläche × Leistungsgrad × Verrechnungssatz + Zuschläge ergeben den Selbstkostenpreis, ein 3-Ebenen-Satz-Resolver (Position → Kunden-Default → Org-Default) sorgt für konsistente Sätze, und die aufgelösten Werte werden im Snapshot eingefroren — eine spätere Änderung verfälscht den Bestand nicht. Aus der Kalkulation entsteht per Data-Bus ein Angebot, später der Vertrag und schließlich die SOLL/IST-Nachkalkulation: Du siehst, ob das Objekt wirklich das einbringt, was du kalkuliert hast.
Tipp: Lege deine Zielmarge einmal als Kunden-Default fest. Dann startet jede neue Kalkulation für diesen Auftraggeber automatisch mit dem richtigen Satz — und niemand rutscht versehentlich in einen zu niedrigen Aufschlag.